Politik

Fleischindustrie Für Grünen-Politiker Friedrich Ostendorff zeigt der Ausbruch bei Tönnies, dass es in der Branche Änderungen braucht

„Kontrollen müssen verbessert werden“

Archivartikel

Gütersloh.Der Corona-Ausbruch im Schlachthof von Tönnies könnte endlich den Anstoß für strengere Regeln in der Branche geben, sagt der agrarpolitische Sprecher der Grünen, Friedrich Ostendorff, im Interview mit dieser Redaktion.

Herr Ostendorff, wie konnte der Corona-Ausbruch bei Tönnies passieren?

Friedrich Ostendorff: Eine Erklärung leuchtet mir ein: Es kann in der Tat so sein, dass nach dem langen Pfingst-Wochenende viele Mitarbeiter das Virus von zuhause mitgebracht haben. Also aus Polen, Rumänien oder Bulgarien.

Und welche Begründung haben Sie noch?

Ostendorff: Eine große Rolle werden die Arbeitsbedingungen für die Ausbreitung gespielt haben. In den Schlachtbetrieben sind die Temperaturen auf drei bis vier Grad heruntergesetzt, und es wird mit großem Dampfdruck gearbeitet. Es herrscht eine hohe Luftfeuchtigkeit. Das begünstigt theoretisch die Verbreitung von Corona. Da reichen dann auch Abstände von 1,50 Meter nicht aus. Bei der Zerlegung stehen die Menschen ohnehin dicht an dicht. Zwar wird auf Mundschutz geachtet, aber die Arbeit ist hart; es wird im Akkord produziert. Da reißt man sich die Maske schon mal herunter. Eine rasend schnelle Verbreitung des Virus ist dann programmiert.

Worauf kommt es jetzt an?

Ostendorff: Viele können es schon nicht mehr hören, weil wir seit Jahren darauf hinweisen: Die unmöglichen Zustände, in denen vor allem osteuropäische Arbeitskräfte schuften müssen, tragen ursächlich Schuld daran, dass die Situation jetzt so dramatisch ist. Die ganzen Selbstverpflichtungen und freiwilligen Erklärungen der Branche haben nicht viel gebracht.

Warum sollte sich jetzt etwas ändern?

Ostendorff: Durch Corona kann das Thema nicht mehr verdrängt werden. Wir haben die Erklärung von Arbeitsminister Heil, dass er hart durchgreifen will. Es gibt dazu eine Kabinettsentscheidung, selbst die Bundeskanzlerin hat sich sehr eindeutig geäußert. Deswegen stehen die Chancen gut, dass nun endgültig die Leitplanken so zementiert werden, dass die Menschen direkt angestellt werden bei den Schlachthöfen. Die Sub-Sub-Unternehmer-Konstruktionen müssen aufhören, dann weiß man auch wieder, wer am Ende haftet für Missstände. Außerdem müssen die Kontrollen verbessert werden.

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