Politik

Pandemie Baden-Württembergs Ministerpräsident gegen große Weihnachts- und Silvesterfeiern / Ausschreitungen in Leipzig.

Kretschmann droht mit „sehr harten“ Corona-Regeln

Archivartikel

Berlin.Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat eine weitere Verschärfung der Corona-Auflagen in Aussicht gestellt. „Wenn die Intensivstationen volllaufen, ist es schon zu spät. Wir dürfen nicht warten, bis die Kapazitäten erschöpft sind“, sagte der Grünen-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Wenn droht, dass diese rote Linie überschritten wird, kommen wir um härtere Maßnahmen – unter Umständen sehr harte Maßnahmen – überhaupt nicht herum.“ Als Beispiel nannte Kretschmann eine weitere Minimierung der Kontakte. ‚Die Anzahl der Personen, mit denen man sich treffen kann, muss dann noch weiter reduziert werden“, sagte er.

„Sonst gibt es mehr Tote“

Silvesterpartys über die eigene Familie hinaus sind nach Überzeugung des Regierungschefs ebenso wenig zu verantworten wie Weihnachtsmärkte. „Weihnachtsmärkte halte ich in diesem Winter leider für vollkommen ausgeschlossen“, sagte er. „Von diesem Gedanken sollte man sich mal verabschieden.“ Auf die Nachfrage, ob das auch für Silvesterpartys gelte, entgegnete Kretschmann: „Ich fürchte, ja. Silvesterpartys kann man im Kreise der Familie machen, aber nicht groß, feucht und fröhlich mit vielen Freunden.“ Der Ministerpräsident wörtlich: „Mit so etwas warten wir bitte, bis wir einen Impfstoff haben und die Bevölkerung auch durchgeimpft ist.“

> Überblick: Coronavirus - so viele Fälle sind in der Metropolregion Rhein-Neckar bekannt
> Dossier Corona: Hintergründe, Infografiken, Berichte zur Entwicklung der Pandemie in Mannheim, Heidelberg, Ludwigshafen und der Metropolregion
> Nichts verpassen: Zugriff auf alle Plus-Artikel und das E-Paper. Nur jetzt 3 Monate GRATIS lesen.

Kretschmann rief dazu auf, die Corona-Schnelltests vor allem für Alten- und Pflegeheime, Krankenhäuser oder Schulen zu reservieren – und nicht zur Ermöglichung von Weihnachtsbesuchen zu nutzen. „Wir müssen uns darauf konzentrieren, wo die Schnelltests absolut notwendig sind. Das Gebot der Stunde ist, sich um die vulnerablen Gruppen zu kümmern. Sonst laufen uns die Kliniken über und es gibt mehr Tote“, sagte er. „Das muss bei Tests und Schutzmaßnahmen im Vordergrund stehen – und nicht der Familienbesuch an Weihnachten.“

In Leipzig hatten am Samstag mindestens 20 000 Menschen aus ganz Deutschland gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung protestiert. Zunächst verlief die Kundgebung größtenteils friedlich. Dann löste die Stadt Leipzig den Protest auf, weil viele Menschen keine Mund-Nasen-Bedeckung trugen und den Mindestabstand nicht einhielten. Doch Tausende widersetzten sich und marschierten weiter.

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) verurteilte die Ausschreitungen bei der „Querdenken“-Demonstration in Leipzig und forderte am Sonntag eine „gründliche Aufklärung“. „Was wir in Leipzig gesehen haben, ist durch nichts zu rechtfertigen. Die Demonstrationsfreiheit ist keine Freiheit zur Gewalt und zur massiven Gefährdung anderer“, erklärte Lambrecht.

Zuwachs bei Intensivpatienten

Tausende dicht an dicht ohne Masken seien ein Gipfel der Verantwortungslosigkeit und des Egoismus. „Jeden Tag sterben Menschen am Coronavirus. Wer diese Gefahr leugnet, stellt sich gegen den übergroßen Teil unserer Gesellschaft, der sich an Regeln hält, um sich und alle anderen zu schützen“, sagte Lambrecht. Auch FDP und Grüne forderten eine Aufarbeitung des Polizeieinsatzes. „Nach meinem heutigen Kenntnisstand liegt absolutes Versagen der sächsischen Polizeiführung vor“, erklärte die Linken-Vorsitzende Katja Kipping dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Die rechtsextreme Szene nutze die Querdenken-Demos für ihre Mobilisierung.

Indes hat die Zahl der Corona-Patienten auf Intensivstationen hat in Deutschland fast wieder den Höchstwert vom Frühjahr erreicht. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) meldete am Sonntag, dass 2904 Covid-19-Patienten intensivmedizinisch behandelt werden. Davon werden 1605 (55 Prozent) invasiv beatmet.

Zum Thema