Politik

Corona II Urlauber, die aus Risikogebieten kommen, sollen sich an Flughäfen verpflichtend auf das Virus kontrollieren lassen

Kritik an Plänen für Reiserückkehrer

Archivartikel

Frankfurt/Berlin.Die Pläne der Landesgesundheitsminister, Reiserückkehrer aus Risikogebieten verpflichtend auf das Coronavirus zu testen, werfen bei Medizinern und Flughafenbetreibern Fragen auf. Man stehe zwar „bereit, alles umzusetzen, was hilft und behördlich umzusetzen ist“, sagte ein Sprecher des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport. Zunächst müsse man aber die genauen Vorgaben der Behörden abwarten.

Auch in München seien die Betreiber in Gesprächen, es müsse aber noch vieles geklärt werden. „Wir unterstützen das natürlich“, sagte ein Sprecher des Airports. Dabei gehe es aber in erster Linie um Räumlichkeiten. Die Umsetzung müsse von staatlicher Seite erfolgen.

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern hatten sich am Mittwochabend grundsätzlich darauf verständigt, dass Reisende aus Risikogebieten im Ausland künftig unmittelbar nach ihrer Rückkehr in Deutschland auf das Coronavirus getestet werden sollen. Dazu sollen an Flughäfen Teststellen eingerichtet werden.

Betrifft wohl nur wenige Menschen

Die Tests sollen verpflichtend sein. Bisher müssen Menschen, die aus stark vom Coronavirus betroffenen Staaten zurückkehren, in Deutschland zunächst 14 Tage in häusliche Quarantäne. Ob sie das tatsächlich immer tun, ist aber zweifelhaft. Deshalb will die Politik hier nachjustieren. Keine Quarantänepflicht gilt dagegen für Einreisende aus fast allen EU-Staaten mit Ausnahme von Luxemburg und einigen anderen europäischen Ländern.

Es ist deshalb fraglich, wie viele Menschen von der neuen Regelung betroffen sein werden. Weltweit stuft das Robert Koch-Institut (RKI) derzeit zwar den größten Teil der Staaten als Corona-Risikogebiet ein. Da aber Reisen aus Deutschland zum Beispiel in die USA wegen Einreisebeschränkungen nur für wenige Menschen möglich sind, gibt es auch kaum Rückkehrer von dort.

Kritik an den Plänen kam von einem Mediziner in Berlin: „Fachlich ist das überhaupt nicht nachvollziehbar“, sagte Patrick Larscheid, der als Amtsarzt für den Bezirk Reinickendorf zuständig ist, in dem der Flughafen Tegel liegt. Die angestrebten Tests seien eine Momentaufnahme. Theoretisch müssten die Menschen über Tage und Wochen mehrfach getestet werden.

Eine große Frage sei zudem, wie mit Auto-, Bahn- und Schiffsreisenden umgegangen werde, meint ferner der Sprecher des Brandenburger Gesundheitsministeriums, Gabriel Hesse.

Unterdessen wurde bekannt, dass laut einer Studie ein Mitarbeiter in der Rinderzerlegung das Coronavirus bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück verteilt hat. Dabei wurde das Virus auf mehrere Personen im Umkreis von mehr als acht Metern übertragen, teilte das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung mit. In der Zerlegung wird die Luft auf zehn Grad gekühlt. dpa

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