Politik

Corona CDU-Vorschlag für weniger Unterrichtszeit während der kalten Jahreszeit stößt auf breite Ablehnung

Längere Winterferien sinnvoll?

Berlin.Regelmäßiges Lüften gilt in der kalten Jahreszeit als ein Schlüssel im Kampf gegen Corona-Infektionen. Da aber vor allem regelmäßig frierende Schüler infektanfälliger sein könnten, schlagen Unionspolitiker nun vor, in der besonders kalten Jahreszeit weniger Unterricht stattfinden zu lassen: Längere Weihnachtsferien könnten dann durch kürzere Sommerferien ausgeglichen werden. Der Vorschlag sorgt für heftige Diskussionen.

„Wir sollten darüber nachdenken, die Winterferien um zwei bis drei Wochen zu verlängern und im Sommer entsprechend zu kürzen”, erklärte der Bundestagsabgeordnete und Hamburger CDU-Chef Christoph Ploß (35) der „Bild”. Sein Fraktionskollege Stephan Pilsinger (CSU) regte sogar bis zu vier Wochen längere Weihnachtsferien mit entsprechender Kürzung der Oster- und Sommerferien an. „Das Wohl der Schüler und Lehrer muss im Vordergrund stehen”, begründete er seinen Vorstoß.

„Der Vorschlag ist völlig unausgegoren”, sagte Ilka Hoffmann, Vorstandsmitglied Schule der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Dafür müssten nicht nur das „höchst komplexe und fragile System Schule” mit seinen Lehrplänen und Prüfungsterminen komplett umgebaut werden, sondern auch Wirtschaft und Gesellschaft, warnte die GEW-Vertreterin. „Betriebe und Familien haben ihre Jahresplanung darauf abgestellt, dass die Beschäftigten während der Sommerferien den großen Jahresurlaub nehmen. Viele Eltern dürften nicht davon begeistert sein, wenn der Großteil des Jahresurlaubs – bei schlechtem Wetter – schon im Januar verbraten ist. Ähnliches gelte für die Reisebranche.

Zusätzliche Belastung für Eltern

Vor einem „temporären Lockdown durch die Hintertür”, warnt der Verband Bildung und Erziehung (VBE). “Wer die Ferien verlängern will, muss etwa die Frage beantworten, wo die Kinder dann betreut werden sollen”, sagte VBE-Bundesvorsitzende Udo Beckmann dem RND. Auch er warnt vor einer zusätzlichen Belastung von Eltern – etwa durch das frühzeitige Aufbrauchen ihres Jahresurlaubs oder auch der Lohneinbußen beim Fernbleiben vom Arbeitsplatz. Bildungspolitikerin Katja Suding (FDP) nannte die Idee „grotesk”. Sie wies darauf hin, dass Schulen momentan gar keine besonderen Corona-Schwerpunkte seien.

Auch der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hält nichts von verlängerten Weihnachtsferien wegen der Corona-Pandemie. Mit einer Verlängerung würde nach Ansicht Kretschmanns eine Welle von Betreuungsproblemen von Kindern und Jugendlichen ausgelöst. „Das werden wir nicht angehen“, sagte Kretschmann am Dienstag. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) äußerte sich skeptisch zu dem Vorschlag.

Vorsichtige Unterstützung

Stefanie Hubig (SPD), Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), kündigte an, dass sich die Bildungsminister der Länder am Freitag mit dem Thema intensiv befassen werden: „Das Thema Winterferien muss insbesondere mit Blick auf die anstehenden Abschlussprüfungen diskutiert werden.” Hintergrund: Durch längere Winterferien bliebe vor allem für das Abitur und den Mittleren Schulabschluss weniger Vorbereitungszeit.

Vorsichtige Unterstützung kommt von Ernst-Dieter Rossmann (SPD), Vorsitzender des Bildungsausschusses im Bundestag: „Im Corona-Winter müssen wir flächendeckende Schulschließungen unbedingt vermeiden, dafür sollten auch kreative Lösungsvorschläge diskutiert werden”, sagte er dem RND. Wichtig sei ein koordiniertes Vorgehen, keinesfalls dürfe es zu einem „Flickenteppich aus Empfehlungen” kommen. „Trotz Länderzuständigkeit müssen jetzt auch Kanzlerin Angela Merkel und Bildungsministerin Anja Karliczek Führungsverantwortung in der Schulpolitik zeigen, jetzt kommt es auf Solidarität und verantwortungsvolle Entscheidungen an.” (mit dpa)

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