Politik

Pandemieverlauf Zahlen der Neuinfizierten pro Woche scheinen sich zu stabilisieren / Wenig schwere Krankheitsverläufe

Lage in den Krankenhäusern entspannt

Archivartikel

Berlin.Zuletzt gestiegene Infektionszahlen machen Politiker und manche Experten nervös. Die Lage in den Kliniken ist aber nach wie vor vergleichsweise entspannt. Es werden nur wenige Corona-Infizierte behandelt, Tote gibt es kaum noch. Wie passt das mit der gestiegenen Zahl von Nachweisen zusammen?

Aktuelle Lage: Einen Anhaltspunkt für die Beurteilung des Infektionsgeschehens liefern die ans RKI gemeldeten Fälle binnen einer Woche. Diese Zahl lag am Sonntag bei 7905 (Datenstand 30.8., 0 Uhr). Vor einer Woche lag der Wert noch bei 8528. Die Entwicklung der letzten Tage weise ebenso wie die wieder gestiegene Anzahl von Kreisen, die in den vergangenen sieben Tagen keine Corona-Fälle übermittelten, auf eine mögliche Stabilisierung der Lage hin, hieß es vom RKI. Aber: „Auch wenn die Fallzahlen in einigen Bundesländern wieder abnehmen, bleibt die Entwicklung der letzten Wochen weiterhin beunruhigend.“

Jüngere Infizierte: Ein Grund dafür, dass momentan vergleichsweise wenig Infizierte schwere Krankheitsverläufe haben, könnte das Alter sein. Einem RKI-Bericht zufolge liegt das Durchschnittsalter der Menschen mit positivem Testergebnis derzeit bei etwa 32 Jahren. Mitte April lag es noch bei rund 50 Jahren. Das RKI weist zudem darauf hin, dass in den vergangenen Wochen vor allem der Anteil der Zehn- bis 30-Jährigen zugenommen hat. Jüngere Menschen kämen nach wie vor besser mit der Infektion klar als Ältere, erklärt der Virologe Ulf Dittmer vom Uniklinikum Essen. Während zwischen 17. und 23. August nur etwa fünf Prozent der Infizierten ins Krankenhaus mussten, waren es Mitte April rund 20 Prozent.

Tests: Die Gesamtzahl der Tests steigt kontinuierlich. Seit Monaten werden die Kapazitäten ausgebaut. Zuletzt wurden dem RKI zufolge fast eine Million Menschen binnen einer Woche getestet. Zum Vergleich: Mitte April lag die Zahl noch deutlich unter 500 000. Der Anteil positiver Tests ist seit Anfang April von rund acht Prozent auf unter ein Prozent gesunken. „Wir testen mehr und finden mehr asymptomatische Personen ganz ohne Krankheit“, erklärt Dittmer vom Uniklinikum Essen. Auch das könne ein Grund für den Anstieg der Neuinfektionen bei gleichzeitig wenigen Menschen mit schweren Krankheitsverläufen sein.

Bessere Behandlung: Auch die Behandlungsmöglichkeiten sind laut Dittmer besser geworden. So würden antivirale Medikamenten wie Remdesivir jetzt früher eingesetzt.

Gesundheitssystem: Es sei nicht zu erwarten, dass das Gesundheitssystem in die Knie geht, sagt Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). „Wir sind ganz klar besser vorbereitet.“ Im März seien alle vom Ausmaß überrascht worden. Aber selbst damals sei die Versorgung der Patienten im ambulanten und stationären Sektor „zu keinem Zeitpunkt in Gefahr gewesen oder sogar zusammengebrochen“. Die Mediziner hätten in den vergangenen Monaten „enorm“ dazugelernt und seien mittlerweile ausreichend mit Schutzmaterial ausgestattet. „Die Covid-19-Bereiche im Krankenhaus sind klar abgetrennt, die Mitarbeiter können mittlerweile routiniert in den einzelnen Bereichen mit Verdachtsfällen und Patienten umgehen.“ Für den Fall der Fälle könnten die Krankenhäuser jederzeit den Schalter umlegen und den Corona-Betrieb aufnehmen. 

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