Politik

Landesparteitag Chef der CDU Baden-Württemberg kurz vor der Europawahl mit 83,3 Prozent der Stimmen bestätigt

Last fällt von Strobls Schultern

Archivartikel

Weingarten.Als der Tagungspräsident das mit Spannung erwartete Ergebnis für die Wahl des CDU-Landesvorsitzenden bekanntgibt, steht Thomas Strobl mitten unter den Delegierten. Natürlich weiß er da schon seit ein paar Minuten, dass er etwas besser abgeschnitten hat als bei der Wahl vor zwei Jahren. Für den Jubel sucht der Chef der Südwest-CDU bewusst den Schulterschluss mit der Basis. Im September 2017 hatten ihm die Delegierten nach eineinhalb Jahren grün-schwarzer Koalition mit 82 Prozent einen Denkzettel verpasst. Jetzt sind es 83,3 Prozent, das Minimalziel ist erreicht. Von Strobl fällt eine Last ab. Ganz sicher war er sich seiner Sache offenbar nicht.

Zwang zur Geschlossenheit

Für Strobl hängt viel ab von diesem Parteitag. Normalerweise wählt die CDU in Baden-Württemberg alle zwei Jahre im Herbst ihre Führung neu. Diesmal hat der Vorsitzende die Vorstandswahl auf einen Parteitag drei Wochen vor der Kommunal- und Europawahl weit nach vorn gezogen. Das Kalkül liegt auf der Hand: Kurz vor einer allgemeinen Wahl ist der innerparteiliche Druck groß. Da sorgt der Zwang zur Geschlossenheit für ein gutes Ergebnis. Das wolle er dann als Rückenwind nehmen, wenn es später im Jahr um die Spitzenkandidatur für die Landtagswahl geht, glauben viele in der CDU.

Allerdings gibt es für diesen Mechanismus keine Garantie. Vor zwei Jahren liegt die Vorstandswahl drei Wochen vor der Bundestagswahl. Trotzdem schneidet Strobl deutlich schlechter ab als 2015, als er mit 97 Prozent ein Traumergebnis erzielt hat. Er selbst begründet die Terminierung mit dem Hinweis, dass ein Parteitag mit Wahlen für mehr öffentliche Aufmerksamkeit sorge und diese dem Wahlkampf im Endspurt einen Pusch gebe. Die meisten Kommunalpolitiker bleiben aber lieber zu Hause und schicken Ersatzdelegierte.

In seiner Rede baut Strobl Spannung ab. „Heute wird der CDU-Vorstand gewählt. Nicht mehr und nicht weniger“, ruft er den 309 Delegierten zu. Mehr stehe nicht auf der Tagesordnung. Es ist das Signal, das seine Gegner erwartet haben. Es soll nicht die Erwartung entstehen, dass mit einem guten Ergebnis die Entscheidung über die Spitzenkandidatur für die Landtagswahl 2021 vorweggenommen wäre. „Das ist angekommen“, glauben mehrere Vorstandsmitglieder.

Die Strobl-Gegner wollen das Feld offenhalten, wenn es im Herbst tatsächlich um die Rolle des Herausforderers geht. Nicht nur in Heilbronn pfeifen es die Spatzen von den Dächern, dass Strobl meint, nach acht Jahren harter Arbeit als Landesvorsitzender sei er an der Reihe. Nur seine Frau wisse, wie er sich entschieden habe, sagt Strobl im Vorfeld. In seiner Rede geht er auf das heikle Thema gar nicht ein.

Die Gegner setzen auf Kultusministerin Susanne Eisenmann. Die 54-Jährige bestätigt ihre Ambitionen nicht, sagt aber auch nicht Nein. In ihrer Vorstellungsrede für den Platz im Präsidium konzentriert sie sich auf die Kultuspolitik. Die Rede wird mit herzlichem Beifall quittiert.

„Das war ordentlich“

Die Frage der Spitzenkandidatur steht zwar gar nicht auf der Tagesordnung des Parteitags. Aber viele Gespräche draußen im Foyer des Kongresszentrums Oberschwaben drehen sich gestern Abend um die wichtige Personalie. Strobls 40-minütige Rede wird von der Basis gelobt. „Das war ordentlich“, sagt ein Vorstandsmitglied. Aber die Begeisterung hält sich in Grenzen. Die Delegierten bleiben sitzen. Einmal gibt es richtig Szenenapplaus, als er an die Geschlossenheit appelliert: „Wir sind immer dann gut, wenn wir geschlossen auftreten.“

Der 59-Jährige gibt zu, dass die öffentliche Diskussion um seine Eignung nicht spurlos an ihm vorübergegangen ist. „Manchmal ist man verzweifelt“, räumt er ein. Aber die Debatte habe auch seine Sinne geschärft. Seine Erkenntnis daraus: „Kämpfen, nicht für mich, sondern für die CDU.“ Am Ende kommt er noch einmal auf die Erwartungen zurück: „Es kann nicht nur Harmonie geben in einer Koalition. Ich verspreche euch, wir zeigen Haltung.“

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