Politik

Syrien Israel bringt 800 freiwillige Helfer in Sicherheit / Deutschland nimmt 50 Geflüchtete auf / Druck von westlichen Staaten

Letzte Rettung für Weißhelme

Archivartikel

Jerusalem.In einer geheimen Nacht- und Nebelaktion hat Israel für 422 syrische Weißhelme und ihre Familien auf der Flucht den Grenzübergang bei Kuneitra auf den Golanhöhen geöffnet. Die jordanische Nachrichtenagentur „Petra“ hatte zunächst berichtet, es seien 800 Zivilisten gerettet worden. Jordanien habe ihre Durchreise genehmigt. Später schrieb Außenminister Ajman Safadi auf Twitter jedoch, dass die Zahl 422 betrage.

Die freiwilligen zivilen Hilfstruppen, die sich vor allem nach Bombenangriffen um Verschüttete und Verletzte kümmern, waren durch das Vorrücken der syrischen Armee in Bedrängnis geraten. Mit Bussen brachten israelische Soldaten die Syrer nach Jordanien. Von dort aus sollen sie nach Deutschland, Großbritannien und Kanada reisen.

Israels Verteidigungsarmee (IDF), heißt es in einer Stellungnahme, sei damit einer Anweisung der israelischen Regierung sowie entsprechenden Aufforderungen „der USA und weiterer europäischer Staaten“ nachgekommen. Es handelte sich um eine Hilfsaktion aus „humanitären Gründen“. Für die syrischen Weißhelme habe unmittelbare Lebensgefahr bestanden.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) bestätigte die Aufnahme der syrischen Weißhelme in Deutschland. Es sei „ein Gebot der Menschlichkeit“, erklärte Maas in der „Bild“-Zeitung, die die Zahl von 50 Geflüchteten nannte, die nach Deutschland kommen. Das Bundesinnenministerium sprach am Abend von acht Weißhelmen und deren Familienangehörigen, die als Flüchtlinge aufgenommen werden sollen. Das Auswärtige Amt unterstützte die Weißhelme in den vergangenen Jahren mit zwölf Millionen Euro.

Angriffe auf Hisbollah

Die streng geheim gehaltene Rettungsaktion war Ergebnis wochenlanger multilateraler Absprachen und kam überraschend für die Hilfesuchenden, da Jordanien eine Aufnahme lange abgelehnt hatte. Nach eigenen Angaben beherbergt die Monarchie bereits 1,3 Millionen aus Syrien Geflüchtete. Laut Information der „Jerusalem Post“ sollen die syrischen Weißhelme in einer „geschlossenen Zone“ nicht länger als drei Monate in Jordanien bleiben.

Offenbar spielte Kanada eine zentrale Rolle bei der Rettung der freiwilligen Helfer. Israel hält sich seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs offiziell an die Strategie der Nichteinmischung. Ausnahme bilden Waffenlieferungen an die libanesische Hisbollah, die die israelische Luftwaffe „Dutzende Male“, wie Regierungschef Benjamin Netanjahu selbst einräumte, bombardiert habe. Zudem kam es jüngst zu wiederholten israelischen Angriffen auf Ziele der iranischen Armee und ihrer Handlanger in Syrien.

Israels Regierung will unter allen Umständen eine dauerhafte Stationierung iranischer Truppen in Syrien verhindern. Noch am Wochenende telefonierte Netanjahu mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, der ihm laut Nachricht der konservativen Zeitung „Israel Hajom“ versichert habe, dass sich in der Grenzregion keine iranischen Truppen aufhalten werden.

Russland hatte zusammen mit den iranischen Revolutionsgarden an der Seite der Truppen von Syriens Präsident Baschar al-Assad gekämpft. Solange sich in Syrien bewaffnete Rebellentruppen befänden, die dem Regime Schaden zufügen wollen, will Putin an der Stationierung von Iranern festhalten, schreibt „Israel Hajom“. Zudem hält Israel daran fest, die Grenzen für Flüchtlinge aus Syrien verschlossen zu halten, hilft allerdings den Menschen, die in der Pufferzone zwischen den von Israel annektierten Golanhöhen und Syrien Zuflucht suchen – mit Nahrungsmitteln, Medikamenten, Kleidung und Zelten.

Verletzte werden behandelt

Seit Kriegsbeginn sind tausend syrische Kriegsopfer in israelischen Krankenhäusern behandelt worden. Ejal Sisser, Syrien-Experte an der Universität Tel Aviv, vermutet, dass in Syrien „die Schlacht vorbei ist“. Ob es Assad gelingen wird, sein Land langfristig zu kontrollieren, hängt Sissers Ansicht nach davon ab, was „die Russen und die Iraner mitzureden haben“. Aus israelischer Sicht wäre es „am besten, wenn Assad die volle Kontrolle innehat, die Iraner aus seinem Land wirft und für Ruhe in der Grenzregion sorgt“. Sisser unterstützt die Politik der Nichtaufnahme von Flüchtlingen.

Info: Video unter: morgenweb.de/politik

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