Politik

Grüne Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hält sich vor den Sondierungsgesprächen bedeckt

Linker Flügel wettert gegen die Union

Berlin/Stuttgart.Parlaments-Vizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) wird erneut für dieses Amt kandidieren. Das beschloss die grüne Bundestagsfraktion gestern auf ihrer konstituierenden Sitzung in Berlin. Eine neue Fraktionsspitze soll erst nach möglichen Koalitionsverhandlungen mit Union und FDP gewählt werden. Die Fraktionschefs Anton Hofreiter und Katrin Göring-Eckardt werden als Minister einer möglichen Jamaika-Koalition gehandelt.

Auf den unionsinternen Flüchtlingskompromiss sind die Grünen allerdings nicht gut zu sprechen. Bei den Linken ist die Jamaika-Skepsis wegen der Unions-Festlegungen eher gestiegen. "Dass das zusammengeht, sehe ich noch lange nicht", meinte etwa der Haushaltsexperte Sven-Christian Kindler. "Leichter wird es dadurch auf kein Fall", befand auch der Mannheimer Finanzfachmann Gerhard Schick. Zuvor hatte der auch an den Jamaika-Sondierungen beteiligte Ex-Fraktionschef Jürgen Trittin den C-Parteien gar eine "Verleugnung urchristlicher Werte" vorgeworfen.

Dagegen verfuhren die Realos nach der bekannten Devise, dass nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird. So meinte die bayerische Abgeordnete Margarete Bause: "Dass die CSU aufs Blech haut, ist man doch gewöhnt". Wichtig sei, was am Ende an grüner Handschrift im Koalitionsvertrag stehe.

Einigung bis Weihnachten?

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann gehört ebenfalls zu der 14-köpfigen Gruppe, die für die Grünen am Mittwoch die Verhandlungen - zunächst allein mit der Union - aufnimmt. Doch Kretschmann hält sich noch bedeckt, will im Vorfeld kein Pulver verschießen. "Ich bewerte die Einigung der Union nicht", sagte der Grünen-Politiker gestern über den Flüchtlings-Kompromiss von CDU und CSU. Nur so viel: "Dass sie sich geeinigt haben, ist erst mal gut, dann können die Gespräche beginnen."

Mit Blick auf die vielen Äußerungen sprach Kretschmann augenzwinkernd sogar von Aussagen von "Hunderten von Bundestagsabgeordneten, die nicht beschäftigt sind". Kretschmann: "Da gehen einige schon auf den Baum und müssen dann da wieder runter." Er werde alles dafür tun, dass so ein Bündnis vor Weihnachten steht. Darauf folgte allerdings gleich die nächste Einschränkung: "Wenn es dazu kommt."