Politik

Corona-Pandemie Bundesarbeitsminister Hubertus Heil erwartet größere psychische Belastungen durch das Virus

Lob für Gesundheitsoffensive

Archivartikel

Teltow/Genf/Lyon.Die Bundesregierung will eine Offensive für psychische Gesundheit am Arbeitsplatz starten. Das kündigte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) am Montag in Teltow an. „Wir werden das dieses Jahr starten“, sagte Heil beim Besuch einer Reha-Einrichtung. Heil erwartet auch Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die psychische Gesundheit vieler Menschen. „Das wird eine ganze Menge psychosozialer Folgen haben.“ Die Krise sei für viele Menschen ein Einschnitt und belaste die Psyche. Dies müsse langfristig bearbeitet werden.

Zentral sei es zunächst, das Thema psychischer Leiden „aus der gesellschaftlichen Tabuecke“ zu holen. „Wir fangen an mit einer Aufklärungskampagne“, sagte Heil. Nicht getan sei es mit ein paar einfachen Regelungen wie etwa in einer Anti-Stress-Verordnung. So eine Verordnung wird seit Jahren von Gewerkschaften gefordert. Experten erwarten steigende Reha-Zahlen infolge der Corona-Pandemie. „Das Ganze rollt auf uns zu, wenn Corona vorbei ist“, sagte der Chefarzt der Abteilung Kardiologie des Reha-Zentrums Seehof in Teltow, Eike Langheim.

In der Corona-Krise könnten die Menschen darauf vertrauen, dass ihnen auch geholfen werde, wenn sie nach der Akutphase noch weiter unter einer Covid-19-Erkrankung leiden, sagte die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung, Gundula Roßbach. Das gelte auch für psychische Folgen. „Wir bieten auch Post-Covid-Rehabilitation.“ Im Jahr 2019 erbrachte die Rentenversicherung rund 1,05 Millionen medizinische Reha-Leistungen – 2000 waren es noch 836 000.

„Nicht die letzte Pandemie“

Unterdessen hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Initiative der deutschen Bundesregierung zur Stärkung des Gesundheitssystems als Vorbild gelobt. Deutschland habe die richtigen Konsequenzen aus den Erfahrungen im Kampf gegen das Coronavirus gezogen, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Montag in Genf.

Grundsätzlich gehöre es zu den großen Lehren der Pandemie, dass die Investitionen in das Gesundheitssystem helfen würden, die nächste Herausforderung dieser Art besser zu bestehen. „Das ist nicht die letzte Pandemie. (...) Wenn die nächste Pandemie ausbricht, muss die Welt vorbereitet sein, besser vorbereitet als dieses Mal“, sagte Tedros. Er verwies auf Länder wie Thailand, Südkorea, Uruguay und Japan, die gut für die Corona-Pandemie gerüstet gewesen seien. Bund und Länder wollen als Konsequenz aus der anhaltenden Corona-Pandemie bis Ende 2022 mindestens 5000 neue und unbefristete Vollzeitstellen im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) schaffen.

Zugleich machte die WHO klar, dass sie für unmittelbare Kontaktpersonen von Erkrankten eine 14-tägige Quarantäne für weiterhin sinnvoll hält. „Kontaktpersonen von bestätigten Fällen müssen 14 Tage in Quarantäne“, sagte der WHO-Experte Mike Ryan. Dieser Ansatz gelte nicht für Reisende, die aus Gebieten mit höheren Infektionszahlen kämen, sagte Ryan. „Reisende sind keine Kontakte.“

Missbrauch seltener gemeldet

Im Zuge der Coronavirus-Pandemie wurden nach Angaben der internationalen Polizeiorganisation Interpol Fälle des Kindesmissbrauchs weniger häufig gemeldet. Die Mitgliedsstaaten hätten angegeben, dass für Opfer von Missbrauch infolge der Pandemie der Zugang zu medizinischer und anderer Unterstützung sowie zur Meldung von Straftaten schwerer wurde.

Es gebe zudem Bedenken, dass einige Verstöße nach einer erheblichen Verzögerung möglicherweise nie gemeldet würden. Unter anderem die Schließung von Schulen und Corona-Kontaktbeschränkungen trugen laut Interpol dazu bei, dass Missbrauchsfälle nur erschwert gemeldet werden könnten. dpa

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