Politik

CDU Im Rennen um den Parteivorsitz verliert Armin Laschet an Unterstützung / Jens Spahn hält offiziell aber an der gemeinsamen Kandidatur fest

Machtspiele hinter den Kulissen

Berlin.Ein Gerücht wabert derzeit durch Berlin – und es betrifft Jens Spahn. Es lautet: Der Bundesgesundheitsminister, der sich in der Corona-Krise stark profiliert hat, werde von einigen Parteifreunden dazu gedrängt, doch noch seinen Hut für den CDU-Vorsitz in den Ring zu werfen. Nach der wochenlangen Corona-Pause wird das Kandidatenrennen um die Nachfolge von Annegret Kramp-Karrenbauer plötzlich wieder spannend. Spahn kennt das Gerücht. Und wer wiederum ihn kennt, der weiß, dass es ihm gefällt.

Darauf angesprochen meinte er kürzlich allerdings, die Teamlösung mit Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidenten Armin Laschet habe Bestand: „Das ist so.“ Demnach soll Laschet im Dezember Parteivorsitzender werden, Spahn dann sein Stellvertreter. So der Plan der beiden Männer aus NRW. Doch der Düsseldorfer Regierungschef schwächelt. Nach dem Corona-Ausbruch beim Schlachtkonzern Tönnies und dem Lockdown in den Kreisen Gütersloh und Warendorf steht sein Krisenmanagement in der Kritik. Er, der sich frühzeitig für Lockerungen eingesetzt hat, musste nach einigen Tagen des Zögerns doch die Notbremse ziehen. In der Union sprechen sie inzwischen von „keinem guten Bild“, das Laschet abgebe. Speziell kommunikativ seien manche seiner Auftritte misslungen. Schon wird gefragt, ob er CDU-Chef und damit Kanzler kann.

Zurück in die Offensive

Wohin solche Debatten führen können, hat Noch-Parteichefin Kramp-Karrenbauer erleben müssen. Es waren genau die Zweifel an ihrer Eignung, gestreut aus den eigenen Reihen, die sie mürbe gemacht haben. Schließlich kündigte AKK im Februar ihren Rückzug vom Vorsitz und ihren Verzicht auf die Kanzlerkandidatur an. Manch einer in der Union hat schon sein eigenes Szenario entworfen: Demnach könnte Laschet mit der Begründung zurückstecken, er habe in NRW genug zu tun bei der Bewältigung der Corona-Krise. Das würde aber auch seinen Traum von der Kanzlerkandidatur platzen lassen. Der Weg für Spahn, sich doch noch um den Vorsitz zu bewerben, wäre dann frei. Gleichwohl müsste der Rollentausch einvernehmlich geschehen, damit die CDU nicht Schaden nimmt.

Jedenfalls glauben Beobachter, dass Spahn seit dem Corona-Ausbruch im Kreis Gütersloh deutlich auf Abstand zu Laschet und dessen Krisenkurs gegangen ist. Allemal zutreffend ist: Der Gesundheitsminister kann besser mit dem bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Chef Markus Söder, mit dem sich Laschet nach wie vor ein Fernduell um das richtige Krisenmanagement liefert.

Noch sind es gut fünf Monate bis zum Parteitag. Die Planspiele hinter den Unionskulissen sind auch den anderen Bewerbern um den CDU-Vorsitz nicht verborgen geblieben. In der Krise konnte sowohl Friedrich Merz als auch Norbert Röttgen nur von der Seitenlinie mal einen Einwurf machen. Nun wollen beide zurück in die Offensive: Merz tat bereits kund, er traue sich zu, das Unionsprofil in einer Konstellation mit den Grünen klar erkennbar zu machen. Bisher stand eher Laschet für Schwarz-Grün. Dass Merz auch Kanzler werden will, steht außer Frage. Als Wirtschaftspolitiker will er sich in die Bewältigung der Krisenfolgen einmischen. Und wenn an diesem Mittwoch die deutsche EU-Ratspräsidentschaft beginnt, könnten Außenpolitiker wie Röttgen wieder gefragter sein.

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