Politik

Europa Clément Beaune (38) gilt als exzellenter Kenner des Brüsseler Räderwerks

Macron-Berater wird EU-Staatssekretär

Archivartikel

Paris.In Position gebracht hat Clément Beaune sich schon lange. Bei der jüngsten Regierungsumbildung des französischen Kabinetts kam der 38-Jährige nun endlich zum Zug: Er befand sich unter den elf Staatssekretären, die am Sonntagabend ernannt wurden. Damit ist das neue Team um Premierminister Jean Castex vollständig.

Der bisherige Europa-Berater von Präsident Emmanuel Macron folgt mit seiner Ernennung zum EU-Staatssekretär unter Außenminister Jean-Yves Le Drian auf Amélie de Montchalin. Bei der Aushandlung des EU-Aufbau-Programms in Höhe von 750 Milliarden Euro auf Basis eines deutsch-französischen Kompromissvorschlags hat Beaune eine Schlüsselrolle gespielt, ebenso wie er bei jeder von Macrons europäischen Initiativen beteiligt war.

Häufiger Wechsel auf dem Posten

Beide Männer, heißt es, teilen dieselbe Sicht auf die EU, deren Rolle in der Welt sie stärken wollen. Da der französische Präsident die Zukunft der EU zu einem seiner Herzens-Themen gemacht hat, dürfte Beaunes Handlungsspielraum begrenzt bleiben. Auch führte Macron die Tradition der häufigen Wechsel auf dem Posten fort: In den letzten drei Jahren gab es bereits vier EU-Staatssekretäre; während der jeweils fünf Jahre unter Präsident François Hollande waren es drei, unter Nicolas Sarkozy fünf.

Die Ernennung von Clément Beaune stieß in Paris dennoch auf viel Zustimmung und wenig Überraschung, auch wenn es sich bei ihm um keinen Karrierediplomaten handelt. Man sagt ihm eine „perfekte Kenntnis des Brüsseler Räderwerks“ nach, wo er bestens vernetzt sei. Bescheiden auftretend, befindet sich Beaune seit sieben Jahren in Macrons Dunstkreis, den er schon in dessen Zeit als Wirtschaftsminister unter Präsident Hollande bei europäischen Fragestellungen beraten hat. Auch Macrons Wahlkampf 2017 bestritt er in dessen Team. Wie der Präsident selbst hat Clément Beaune die Elitehochschule ENA besucht. Zuvor absolvierte er das Europa-Kolleg in Brügge sowie die Elitehochschule Sciences Po. Er beriet den früheren Premierminister Jean-Marc Ayrault in Budget-Fragen und arbeitete in der französischen Vertretung in Brüssel sowie als stellvertretender Generaldirektor der Flughafengesellschaft AdP.

„Diesen Typen können Sie über welches europäische Land auch immer befragen, er wird Ihnen dessen politische und geografische Landschaft beschreiben“, sagte ein Diplomat in den französischen Medien über Beaune, der neben Englisch und Italienisch ein wenig Deutsch spricht. Auch sagt man ihm eine Rücksichtnahme auch auf kleinere Mitgliedstaaten nach.

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