Politik

„Macron hat zweifellos recht“

Jürgen Trittin, Grünen-Experte im Bundestag für Außenpolitik

Nach Einschätzung des außenpolitischen Experten der Grünen, Jürgen Trittin, kämpft das Verteidigungsbündnis Nato zu seinem 70. Geburtstag mit zahlreichen inneren Konflikten, für die auch beim jüngsten Gipfeltreffen in den vergangenen zwei Tagen keine gemeinsamen Lösungen gefunden wurden.

Herr Trittin, ist das westliche Militärbündnis Nato „hirntot“, wie Frankreichs Präsident Macron behauptet?

Jürgen Trittin: Über die Metapher lässt sich streiten. Aber die Nato ist in einer existenziellen Krise. Das ist unbestreitbar. Damit hat Macron zweifellos recht.

Beim jüngsten Nato-Treffen in Großbritannien haben die Europäer keine gemeinsame Sprache gefunden. Hätte besonders Deutschland mehr dafür tun müssen?

Trittin: Ich bin schon verwundert, mit welcher Inbrunst viele Europäer, auch die Deutschen, den französischen Präsidenten für seinen kritischen Befund über die Nato gescholten haben. Dieses Bashing stand in keinem Verhältnis zu der feigen Zögerlichkeit, die die gleichen Staaten an den Tag gelegt haben, als es darum ging, den völkerrechtswidrigen Krieg der Türkei in Syrien zu verurteilen. Dieser Krieg hatte ja unter anderem zur Folge, dass französische Truppen aus Syrien abgezogen werden mussten.

Das Mitgliedsland Türkei setzt aber bei seinem militärischen Vorgehen gegen die Kurden auf die Nato.

Trittin: Die Nato darf sich nicht an dem Krieg gegen die Kurden in Nordsyrien beteiligen. Aber wenn letztlich das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR dorthin geschickt würde, um sogenannte freiwillige Rückkehrer anzusiedeln, dann ist das der Versuch, die geplanten ethnischen Säuberungen durch die Türkei im Gegenteil sogar noch zu internationalisieren. Stefan Vetter (Bild: dpa)

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