Politik

Kommunalwahl Grüne erobern viele Städte in Frankreich / Auch Sozialisten feiern einige Erfolge

Macrons Partei erleidet Fiasko

Paris.Ein grüner Windhauch, aber kein Sturm war vor der zweiten Runde der Kommunalwahlen in Frankreich erwartet worden. Am Sonntag erzielten die Grünen und ihre Verbündeten beispiellose Erfolge: Sie konnten den ersten Hochrechnungen zufolge Städte wie Lyon, Straßburg, Besançon und Poitiers erobern. Im nordfranzösischen Lille schrammten die Grünen knapp an einem Sieg vorbei. Dort hatte es zunächst nach einer Abwahl der langjährigen sozialistischen BürgermeisterinMartine Aubry ausgesehen.

Sogar Bordeaux, eine historisch von den Konservativen regierte Stadt, erhält mit Grégory Doucet einen grünen Bürgermeister, der mit Unterstützung der Linken überraschend siegen konnte. Bislang hielten die Grünen mit Grenoble nur eine mittelgroße Stadt. Die Wahlbeteiligung war mit rund 40 Prozent schwach. Eigentlich hätte die zweite Runde im März stattfinden sollen – doch dann kam das Coronavirus. Während in gut 30 000 Kommunen ein Wahlgang ausgereicht hatte, um die Stadt- und Gemeinderäte zu bestimmen, kam es am Sonntag zur Endrunde in knapp 5000 Orten.

Neben dem Sieg in Lille konnten die Sozialisten bei den Kommunalwahlen weitere Erfolge feiern, mit Siegen in Nancy, Marseille – wo ein rot-grünes Bündnis gewann – und in Paris. Bürgermeisterin Anne Hidalgo setzte sich gegen ihre Herausforderin, die konservative Ex-Justizministerin Rachida Dati, durch. Hidalgo hatte auf ökologische Themen gesetzt und sich mit den Grünen und Kommunisten verbündet.

Die Kandidatin der Regierungspartei La République en marche (LREM), Ex-Gesundheitsministerin Agnès Buzyn, schnitt schwach ab. Ursprünglich machte sich LREM gerade in Paris Hoffnungen. Die Präsidentenpartei wurde zur größten Verliererin des Abends. Der parteilose Premierminister Édouard Philippe konnte sich in Le Havre durchsetzen. Ob Macron im Zuge einer erwarteten Regierungsumbildung auch den Premier austauscht, muss sich noch zeigen.

Auch für die Republikaner verlief die Wahl gemischt – mit Siegen in Nizza und Toulouse, aber Niederlagen in Bordeaux und Marseille. Für den rechtsnationalen Rassemblement National (RN) verdeckte ein großer Erfolg in Perpignan, dass er kaum Zugewinne erzielen konnte.

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