Politik

Gesundheit II Kassenärztliche Vereinigungen warnen vor weiterer Verschlechterung der Versorgung

Mangel schwierig in Zahlen zu fassen

Mannheim.Es gibt immer weniger Landärzte. Doch wann gilt ein Mediziner eigentlich als Landarzt? „Der Begriff ist nicht definiert“, erklärt Thomas Wieland, Studiendekan der Medizinischen Fakultät Mannheim. Damit gemeint sei ein Hausarzt, der im ländlichen Raum arbeite.

Auch die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) erklärt, dass nicht alle Mediziner im ländlichen Raum Landärzte sind, da dort auch Städte mit Kliniken vorkommen würden. „Da kann man nicht mehr von Landarzt sprechen“, stellt ein KVBW-Sprecher fest. „Die Übergänge, ab wann eine Praxis als Landarztpraxis bezeichnet wird, sind fließend“, sagt ein Kollege der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz (KVRLP).

Das Problem der ärztlichen Versorgung ist allerdings keines der Definition. Der Mangel an Medizinern ist deutlich spürbar. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KV Hessen) fehlen 170 Hausärzte. Eine Auflistung zeigt, dass beispielsweise im Bereich Bensheim/Heppenheim vier Sitze frei sind.

Statistik das Problem

In Baden-Württemberg sei die Versorgung einem KV-Sprecher zufolge noch sehr weitgefächert. „Das wird nicht so bleiben“, mahnt dieser. Im Bereich Eberbach würden aktuell etwa zwei Hausärzte fehlen, erklärt der Sprecher. Das lege der Bedarfsplan fest, in dem die ärztliche Versorgung pro Region gesetzlich geregelt wird. „Das ist nur eine Statistik“, kritisiert der Sprecher.

„Die Bevölkerung kann das anders sehen, da der Plan nur den Bereich Eberbach im Ganzen abdeckt“, erklärt er und nennt ein Beispiel: „Wenn im nahen Zwingenberg ein Arzt nach Eberbach wechselt, ändert sich im Plan nichts.“ In Zwingenberg würde aber einer fehlen. „Die Planung nimmt kaum Rücksicht auf die Bevölkerung“, erklärt der Sprecher. Deshalb steht die Bedarfsplanung, die aus den frühen 90ern stammt, in der Kritik. „Diese wurde entwickelt, als eine Ärzteschwemme unter dem damaligen Gesundheitsminister Horst Seehofer befürchtet wurde“, kritisiert ein Vertreter der KVRLP. „Wir haben einen Mangel, daher müssen wir die Niederlassung vereinfachen und die Bedarfsplanung kippen.“ Genauere Zahlen lassen sich über ausscheidende Ärzte finden. In Baden-Württemberg sollen das innerhalb der nächsten fünf Jahre 1300 Ärzte sein. „Das entspricht 500 Praxen“, erklärt ein KVBW-Sprecher.

Städte ebenfalls betroffen

In den Nachbarländern ist der Trend ähnlich. In Hessen sollen es bis 2030 61 Prozent weniger sein. Genauere Zahlen gibt es auf Anfrage nicht. In Rheinland-Pfalz werden bis 2023 1605 Mediziner aufhören. „Fehlende Ärzte sind kein Trend auf dem Land. Auch in Mainz fehlen Ärzte“, heißt es von Seiten der KVRLP. Die Bürger würden das auf dem Land früher spüren. obit/hhk