Politik

Mannheimer Bürgermeisterin: Ganztagsschulen sind die Zukunft

Die von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) versprochene flexible Betreuung von Grundschulkindern ist aus Sicht Städtetags in Baden-Württemberg kaum realisierbar. "Ich sehe mit Sorge, dass den Eltern eine komplett flexible Ganztagesbetreuung - ob in Schule oder Hort - in Aussicht gestellt wird", sagte die Mannheimer Bildungsbürgermeisterin Ulrike Freundlieb (SPD), die ständiges Mitglied im Schulausschuss des Städtetags ist. Ein paralleler Ausbau qualitativ hochwertiger Ganztagsschulen und guter flexibler Schulkindbetreuung überfordere die Kommunen finanziell und personell. Die derzeit zum Großteil von den Kommunen finanzierte Schulkindbetreuung in den Randzeiten der Halbtagsschule könne nur eine Übergangslösung sein.

Damit bezieht Freundlieb Stellung gegen die Kultusministerin, die einen Akzent auf flexible Angebote setzen will. Dafür plant sie 21 Millionen Euro mehr im Jahr ein, mit denen neue Angebote unterstützt werden sollen. Bisher beläuft sich der Zuschuss des Landes auf 77 Millionen Euro jährlich. Damit werden ausschließlich Gruppen gefördert, die vor dem Ausstieg des Landes aus der Mitfinanzierung 2015 bestanden. Mit den zusätzlichen Mitteln will Eisenmann den Anteil der Kinder in der vom Land mitfinanzierten Nachmittagsbetreuung von 45 auf 60 Prozent steigern. Sie hatte bekräftigt: "Ganztagsschule und Betreuung sollen sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern nebeneinander möglich sein."

Bürgermeisterin Freundlieb begrüßt zwar die Finanzspritze des Landes. Doch neben grundsätzlichen Bedenken bezweifelt sie, dass das nötige Personal gefunden werden kann.

Laut Ministerium lag an den öffentlichen Grundschulen der Anteil der Schüler im Ganztag im Schuljahr 2017/2018 bei 19,4 Prozent. Der Bildungsmonitor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft bescheinigt dem Land für 2016 ein Ganztagsangebot von 25,4 (Bund: 65,8) Prozent der Grundschulen und 16,7 (Bund: 40,7) Prozent der Grundschüler - und damit eine Schlusslichtposition. Landesweit gibt es rund 2400 Grundschulen.

Nach Freundliebs Überzeugung liegt der Vorteil der Ganztagsschule im intensiveren Unterricht und in besonderer Förderung leistungsschwacher und -starker Schüler. "Sie ist eine wahre Talentschmiede." Zudem sei sie das geeignete Instrument für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Auch beim Thema Bildungsgerechtigkeit schneide die Ganztagsschule am besten ab, da sie für manche Eltern nicht erschwingliche musische oder sportliche Angebote kostenlos in den Schultag integriere. Auch für die Mittelstufe sei der Ganztag anzustreben. In Mannheim bieten demnach neun von 33 Grundschulen Ganztagsbetrieb an. Weitere fünf sollen in den kommenden Jahren folgen.