Politik

Politbarometer Januar II 2021 (KW 04) - Teil 1

Markus Söder in Frage um CDU-Kanzlerkandidatur vor Armin Laschet

Archivartikel

Mannheim.Politische Stimmung in Deutschland

Die Stimmungswerte für CDU/CSU, SPD und Linke bleiben im Vergleich zur letzten Umfrage recht stabil, deutlichere Veränderungen gibt es hingegen bei AfD FDP und Grünen. Die Union erreicht aktuell 40% (+/-0) und die SPD 15%  (+/-0). Auf 4% (-3) kommt die AfD, auf 7% (+3) die FDP. Die Linke erzielt 7% (-1) und die Grünen 24% (+2), alle anderen Parteien erhalten zusammen 5% (+1).

Da mit Umfragen aber immer nur Stimmungen in der Bevölkerung zum Zeitpunkt der Befragung gemessen werden, sind Schlussfolgerungen auf eine mögliche Wahlentscheidung an einem weit entfernten Wahltag nicht zulässig.

Die Politbarometer-Ergebnisse sind wie immer politisch nicht gewichtet. Ein Ver­gleich der Wahlabsichtsfrage und der Sympathiemessungen der Politbarometer-Untersuchungen mit den politisch gewichteten Ergebnissen anderer Institute ist daher nur bedingt möglich. Aus diesem Grund veröffentlicht das Politbarometer die „Projektion“, bei der die in den aktuellen Untersuchungen gemessenen poli­tischen Stimmungen auf ein Wahlergebnis für eine Bundestagswahl übertragen werden, falls diese am nächsten Sonntag stattfinden würde.

Dieser errechneten Projektion liegen die Erkenntnisse über die langfristige, sozialstrukturell begründete Stabilität im Wählerverhalten bei Bundestagswahlen zugrunde sowie Erkenntnisse über den theoretischen Ausgang einer Bundestagswahl unter „normalen“ Bedingungen, d. h. ohne die Überzeichnungen in der aktuell gemessenen politischen Stimmung. Berücksichtigt wird dabei auch die fehlende Bekenntnisbereitschaft von den Anhängern der Parteien an den Rändern des Parteienspektrums.

Wäre bereits am Sonntag Bundestagswahl, könnte die Union weiterhin mit 37% (+/-0) rechnen, die SPD käme ebenfalls unverändert auf 15% (+/-0). Die AfD würde leicht einbüßen und 9% (-1) erzielen, die FDP leicht gewinnen und bei 6% (+1) stehen. Die Linke würde 7% (-1) erzielen und die Grünen nach wie vor 20% (+/-0). Alle sonstigen Parteien bekämen zusammen 6% (+1). Damit hätte sowohl ein schwarz-grünes Bündnis als auch eine große Koalition eine Mehrheit. Für eine Regierung aus Grünen, SPD und Linke würde es nicht reichen.

Zufriedenheit mit der Bundesregierung und den Koalitionspartnern

Nach wie vor ist die Zufriedenheit mit der Arbeit der Regierung hoch: Auf der Skala von +5 bis -5 (voll und ganz zufrieden bis vollständig unzufrieden) bewerten die Befragten die gemeinsame Arbeit der Bundesregierung mit 1,7 (Dez´20: 1,7; Jan-I: 1,8). Die Arbeit der CDU/CSU wird mit 1,5 (Dez´20: 1,5; Jan-I: 1,6) eingestuft, die der SPD mit einem Wert von 1,0 (Dez´20: 1,1; Jan-I: 1,0).   

Gewünschte Koalition

Bei der ohne Vorgaben gestellten Frage nach der präferierten Koalition entscheiden sich 22% für eine schwarz-grüne Regierung (Dez´20: 17%; Jan-I: 20%). 15% sprechen sich für die Erneuerung des aktuell regierenden schwarz-roten Bündnisses aus (Dez´20: 19%; Jan-I: 16%) und 11% für Rot-Grün (Dez´20: 11%; Jan-I: 11%). 9% wünschen sich nach der nächsten Bundestagswahl eine schwarz-gelbe Regierung (Dez´20: 7%; Jan-I: 8%), 6% präferieren eine Dreierkonstellation aus SPD, Grünen und Linken (Dez´20: 6%; Jan-I: 6%) und 5% wollen Schwarz-Rot-Grün (Dez´20: 5%; Jan-I: 3%). Alle anderen Koalitionsmodelle erhalten einzeln jeweils weniger als 5% aller Nennungen und kommen zusammen auf 18% (Dez´20: 17%; Jan-I: 20%), explizit keine Koalition nennen 14% (Dez´20: 18%; Jan-I: 16%).   

Beurteilung der Arbeit von Angela Merkel und der Bundesregierung

83% der Befragten sind mit der Arbeit der Bundeskanzlerin zufrieden (Dez´20: 84%; Jan-I: 84%), 15% äußern sich unzufrieden (Dez´20: 14%; Jan-I: 13%) und 2% sagen „weiß nicht“ (Dez´20: 2%; Jan-I: 3%).   

Die Arbeit der Bundesregierung bewerten 78% positiv (Dez´20: 78%; Jan-I: 80%), jeder Fünfte (19%) stellt ihr ein schlechtes Zeugnis aus (Dez´20: 18%; Jan-I: 17%) und 3% äußern sich dazu nicht (Dez´20: 4%; Jan-I: 3%).  

Laschet und Söder: Eignung als Bundeskanzler?

In der Einschätzung, ob sich Armin Laschet oder Markus Söder eher als Kanzlerkandidat der Union eignet, hat auch die Wahl Laschets zum Vorsitzenden der CDU wenig geändert. Nach wie vor fällt das Urteil der Befragten recht eindeutig zugunsten des bayerischen Ministerpräsidenten aus: 55% attestieren Markus Söder die Kanzlereignung (Jan-I: 54%), 37% (Jan-I: 38%) sprechen ihm diese Fähigkeit ab (weiß nicht: 8%; Jan-I: 8%). Nur knapp ein Drittel aller Befragten (31%; Jan-I: 28%) ist der Ansicht, Armin Laschet kann Kanzler, die Mehrheit (56%; Jan-I: 57%) sieht dies nicht so und 13% (Jan-I: 15%) können hier kein dezidiertes Urteil abgeben. Auch bei den Unionsanhängern fehlt Armin Laschet der Rückhalt: Lediglich 36% sind von den Kanzlerqualitäten des CDU-Vorsitzenden überzeugt (eignet sich nicht: 53%), aber 74% und damit mehr als doppelt so viele Anhänger in den eigenen Reihen sind der Meinung, dass Markus Söder das Zeug zum Kanzler hat (eignet sich nicht: 21%).   

Wer wird Kanzlerkandidat der Union?

Während die Frage nach der Eignung eindeutig ausfällt, sind sich die Befragten deutlich unsicherer, wer Kanzlerkandidat der Union wird. 38% gehen von Markus Söder aus, 32% glauben, dass die CDU/CSU Armin Laschet als Kanzlerkandidaten nominiert und 20% denken, es wird ein anderer Kandidat oder eine andere Kandidatin (weiß nicht: 10%). Bei den Anhängern der Union glauben 44%, dass Söder Kanzlerkandidat wird, 33% Armin Laschet und 14% jemand anderes, 9% können oder wollen kein Urteil abgeben.  

Beurteilung von Spitzenpolitikern in Deutschland

Bei der Beurteilung der nach Meinung der Befragten zehn wichtigsten Politikerinnen und Politiker gibt es leichte Veränderungen zur letzten Umfrage, drei Politiker verschlechtern sich, neben Angela Merkel auch Jens Spahn und Friedrich Merz. Ihr Image verbessern können Markus Söder, Olaf Scholz, Robert Habeck, Peter Altmaier und vor allem Armin Laschet, der drei Zehntel zulegt. Wieder zu den zehn wichtigsten Politikern zählt die Co-Vorsitzende der Grünen, Annalena Baerbock, nicht mehr dabei ist Horst Seehofer. Die Bewertung nach Sympathie und Leistung wurde wie immer mittels der Skala von +5 bis ‑5 (halte sehr viel von / halte gar nichts von) vorgenommen.

Mit deutlichem Abstand und einem Wert von 2,6 führt nach wie vor die Kanzlerin das Ranking an. Auf den zweiten Rang schiebt sich Markus Söder (1,6), vor Olaf Scholz (1,5). Jens Spahn (1,3) hingegen wird drei Zehntel schwächer als zuletzt bewertet und verliert zwei Plätze. Es folgen Heiko Maas (1,1), Robert Habeck (1,1) und Armin Laschet (1,0), vor Peter Altmaier (1,0) und Annalena Baerbock (0,9). Weiterhin Schlusslicht und als einziger knapp im negativen Bereich ist Friedrich Merz mit -0,1.

 

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