Politik

Parteien Ehemalige AfD-Landtagsabgeordnete jetzt Mitglied bei den Christdemokraten

Martin will in die Fraktion

Rhein-Neckar.Die bisher fraktionslose baden-württembergische Landtagsabgeordnete Claudia Martin will nach ihrer Aufnahme in die CDU auch Mitglied der CDU-Landtagsfraktion werden. Im Gespräch mit dieser Zeitung sagte die 47-Jährige: "Ich werde nun den nächsten logischen Schritt angehen und die Mitgliedschaft in der CDU-Landtagsfraktion im Landtag Baden-Württemberg beantragen. Ich möchte politisch gestalten."

Weitere Prüfung nötig

Am Wochenende hatte der CDU-Kreisvorsitzende Stephan Harbarth auf Anfrage dieser Zeitung mitgeteilt, dass der "Kreisvorstand der CDU Rhein-Neckar die Aufnahme von Claudia Martin als CDU-Mitglied beschlossen" hat. Harbarth sagte weiter: "Eine Entscheidung über eine etwaige Aufnahme von Frau Martin in die CDU-Landtagsfraktion ist damit nicht verbunden." CDU-Fraktionssprecher Thomas Oeben sagte, ein Antrag auf Aufnahme in die CDU-Fraktion im Landtag liege von Martin nicht vor. "Sollte sie einen solchen Antrag stellen, würde er ergebnisoffen geprüft - es gibt da keinen Automatismus."

Ähnlich äußerte sich auf Anfrage der Weinheimer Abgeordnete Georg Wacker: Über eine Aufnahme Martins sei in der CDU-Landtagsfraktion bislang noch nicht gesprochen worden. Einen Automatismus gebe es nicht. "Die Fraktion würde ein eigenständiges Aufnahmeverfahren durchführen", sagte Wacker weiter. Seine persönliche Haltung zu einer Integration der früheren AfD-Abgeordneten will Wacker erst bekanntgeben, wenn Martin einen entsprechenden Antrag gestellt hat. "Ich würde befürworten, wenn Frau Martin in die Landtagsfraktion aufgenommen wird", sagte Karl Klein, CDU-Landtagsabgeordneter für Wiesloch - der Wahlkreis, den Martin als AfD-Abgeordnete vertrat. Die Chancen hierfür stünden gut. Was die mögliche Tätigkeit von Martin innerhalb der Fraktion angehe, müsse man schauen, wie man die Zuständigkeiten verteile.

Die 47-jährige Martin teilte am Wochenende auf Anfrage weiter mit, sie sei "sehr froh über diese Entscheidung" der Aufnahme in die CDU. Außerdem sagte sie dieser Zeitung, dass es seit ihrem Austritt aus der AfD-Landtagsfraktion und Partei vor elf Monaten keinerlei Gespräche oder Kontakt mehr mit AfD-Mitgliedern gegeben habe. Martin gab an, stattdessen in den vergangenen Monaten CDU-Veranstaltungen besucht zu haben, um sich die Partei anzuschauen. Sie rechnet nun mit Kritik vonseiten ihrer früheren politischen Heimat, der AfD. "Ich weiß, welche Reaktion man zu erwarten hat", sagte die Politikerin.

"Rechtsruck" führte zum Bruch

Martin war als AfD-Kandidatin bei den Landtagswahlen 2016 im Wahlkreis Wiesloch mit 18,6 Prozent der Stimmen gewählt worden. Der Partei sei sie 2013 beigetreten, weil ihr deren streng konservative Haltung und Euro-Kritik zugesagt habe. Vor rund elf Monaten verließ Martin dann die AfD-Fraktion - nach eigenen Angaben wegen eines Rechtsrucks der Partei. Sie erklärte damals, es gebe in der AfD Kräfte, die das Parlament nur als "Bühne für Fundamentalopposition benutzen wollen". Einige Papiere in den Schubladen der Alternative für Deutschland seien "krasser als das, was die NPD früher wollte".

Martin ist Mutter eines erwachsenen Sohnes, geschieden und stammt aus Sachsen. Nach dem Abitur machte sie eine Erzieher-Ausbildung und zog 1994 in die Rhein-Neckar-Region. Hier arbeitet Martin in einem Walldorfer Kindergarten. Sie war von 2013 bis 2016 Mitglied des Vorstands des AfD-Kreisverbands. cba/hhk/lü/MaMü/sma (mit dpa)

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