Politik

Fusionen Zahl der Zusammenschlüsse von Krankenhäusern nimmt zu / Teilweise droht trotzdem wirtschaftlicher Zusammenbruch

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Wiesbaden.Das Städtische Krankenhaus Frankfurt-Höchst und die Main-Taunus-Kliniken in Hofheim und Bad Soden haben sich bereits zusammengeschlossen. In vielen anderen Teilen Hessens stehen ebenfalls derartige Fusionen an oder sind schon vollzogen. Die Einschätzungen über Vor- und Nachteile gehen auseinander. Die Landesregierung sieht es im Interesse der Wirtschaftlichkeit durchaus positiv, ebenso die Hessische Krankenhausgesellschaft. Die Gewerkschaft ver.di verweist dagegen auch auf Probleme, vor allem für die Beschäftigten. Ihr Fachbereichsleiter Gesundheit, Georg Schulze-Ziehaus, warnt vor Illusionen über den ökonomischen Sinn derartiger Zusammenschlüsse meist finanziell angeschlagener Kliniken: "Zwei Kranke ergeben noch nicht von selbst einen Gesunden", sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung.

Sorge um Beschäftigte

Die Zahl solcher Fusionen von Kliniken hat nach Angaben der Hessischen Krankenhausgesellschaft in den letzten Jahren stark zugenommen. Die Gründe sind fast immer wirtschaftlicher Natur. Gerade kleine Einrichtungen haben es heutzutage schwer, im Wettbewerb alleine bestehen zu können, auch die gesetzlichen Regelungen zwingen die Krankenhäuser mehr denn je zu wirtschaftlichem Erfolg. Es gibt Beispiele, wo die Fusion wirklich zu diesem Erfolg geführt hat. Als positives Exempel wird von Gesundheitsminister Stefan Grüttner (CDU) etwa die GNH Gesundheit Nordhessen Holding genannt, die jetzt das Klinikum Kassel und drei weitere in der Region ansässige Krankenhäuser vereint.

Der Minister sagt denn auch: "Grundsätzlich begrüße ich Verbünde, weil sie Kliniken in die Lage versetzen, sich zukunftsfest aufzustellen." Gemeinsam könnten Synergien genutzt werden, weil nicht mehr jeder alle Angebote vorhalten müsse. Wie in Frankfurt und Main-Taunus betreffen die Fusionen häufig kommunale Kliniken. Für die habe er bereits 2013 ein Konzept zur Verbundbildung vorgelegt, das oft Impulsgeber für solche Zusammenschlüsse sei. Geleitet sei es von der Überzeugung, "dass Kliniken im Verbund stark sind und gute Medizin für die Patienten bieten können", betont Grüttner. Dass eine Fusion gerade für kleine Krankenhäuser aber noch keinen Bestandsschutz bedeuten muss, zeigt das Beispiel des Luisenkrankenhauses in Lindenfels. 2015 wurde es mit dem Heilig-Geist-Hospital Bensheim und dem St. Marienkrankenhaus in Lampertheim im Südhessischen Klinikverbund zusammengeschlossen, aber schon 2016 folgte die Schließung - zum Leidwesen der Beschäftigten. Um die sorgt sich Gewerkschafter Schulze-Ziehaus auch bei der schon erfolgten Fusion Frankfurt-Höchst und Hofheim/Bad Soden. Zwar gebe es da bislang noch keine Nachteile für die Mitarbeiter, doch seien die Kliniken im Main-Taunus-Kreis nicht im Arbeitgeberverband und somit auch nicht tarifgebunden. Deshalb machten sich jetzt auch Beschäftigte in Höchst Sorgen um Tarifflucht oder Ausgliederungen in der Zukunft.

Doch der ver.di-Mann nennt auch positive Beispiele. So haben die Städtischen Kliniken Darmstadt zwei nicht mehr lebensfähige Krankenhäuser von einem katholischen Träger übernommen. Auch sei zu hoffen, dass es nach Übernahme des Herz-Kreislauf-Zentrums Rotenburg durch das Klinikum Bad Hersfeld dem osthessischen Landkreis gelinge, die Mammutaufgabe dort nötiger Investitionen zu schultern.

Einen Grund für den Trend zu Fusionen sieht Schulze-Ziehaus auch in der vorgeschriebenen Mindestzahl an Operationen, die kleinen Krankenhäusern nicht immer gelinge. Im ländlichen Raum sei deshalb bisweilen die nötige Versorgung mit Kliniken in Gefahr. Der Geschäftsführende Direktor der Krankenhausgesellschaft, Rainer Greunke, beschwichtigt: "In Hessen ist die derzeitige akutstationäre Versorgung gesichert."

Der Dachverband von über 150 Krankenhäusern in dem Bundesland ist der Ansicht, dass Fusionen viele Chancen bieten. Vorteile seien beispielsweise, "dass Kliniken ihr Leistungsspektrum enger miteinander abstimmen können und oft auch ein breiteres Weiterbildungsspektrum anbieten können". Kleinere Häuser hätten es angesichts der gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen schwer.

Aber mehrmals sind auch angestrebte Zusammenschlüsse gescheitert, so zum Beispiel der zwischen den Kliniken im Lahn-Dill- und im Wetteraukreis. "Wenn Krankenhäuser fusionieren, geht es immer auch darum, Kompromisse zu schließen", mahnt der Manager der Krankenhausgesellschaft.