Politik

Statistik Bevölkerungsrückgang soll vor allem den Osten treffen / Zuwanderung und steigende Geburtenrate unzureichend

Mehr Alte, weniger Berufstätige

Archivartikel

Berlin.Trotz Zuwanderung und gestiegener Geburtenzahlen wird sich die Alterung in Deutschland noch weiter beschleunigen. Zu diesem Ergebnis kommt das Statistische Bundesamt in seiner aktuellen Prognose zur Bevölkerungsentwicklung bis zum Jahr 2060, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Nachfolgend die wichtigsten Zahlen und Hintergründe zur Entwicklung:

Wie viele Einwohner hat Deutschland?

Mit knapp über 83 Millionen hatte Deutschland Ende 2018 so viele Einwohner wie nie zuvor. Ohne Zuwanderung würde die Bevölkerung bereits schrumpfen – seit 1972 übersteigt die Zahl der Gestorbenen die der Geburten. Und dieses Gefälle wird größer, denn die sogenannten Babyboomer, also die geburtenstarken Jahrgänge, die heute zwischen Ende 40 und Anfang 60 sind, rücken ins hohe Alter auf – was naturgemäß zu mehr Todesfällen führen wird. Dabei ist die demografische Entwicklung schon weit vorangeschritten. Lag das Durchschnittsalter der Bevölkerung im Jahr 1990 noch bei 39 Jahren, so sind es jetzt bereits 44 Jahre. Allein die Zahl der Personen im Alter ab 70 ist zwischen 1990 und 2018 von acht auf 13 Millionen gestiegen.

Was ist künftig zu erwarten?

Das hängt sehr stark von der Nettozuwanderung ab, also in welchem Maße die Zuzüge nach Deutschland die Wegzüge übersteigen. Als wahrscheinlichste Variante gilt, dass die Bevölkerungszahl noch bis 2024 auf etwa 83,7 Millionen steigt und spätestens nach 2040 rückläufig sein wird. Und zwar auf etwa 78 Millionen im Jahr 2060. Unterstellt ist hier eine moderate Nettozuwanderung von durchschnittlich 221 000 Personen pro Jahr. In 30 Jahren, so die Statistiker, werde etwa jede zehnte Person mindestens 80 Jahre alt sein. Ihre Zahl steigt von jetzt 5,4 Millionen auf dann 8,9 bis 10,5 Millionen.

Was heißt das für den Arbeitsmarkt?

Nicht unbedingt Gutes. Denn immer weniger Jüngere müssen dann für immer mehr Ältere aufkommen. 2018 gab es in Deutschland knapp 52 Millionen Personen im erwerbsfähigen Alter zwischen 20 und 66. Bis 2035 erwarten die Statistiker aber einen Rückgang um vier bis sechs Millionen. Ohne Zuwanderung wären es sogar rund neun Millionen weniger. Je nach Anzahl der Migranten wird es 2060 in Deutschland nur noch 40 bis 46 Millionen Männner und Frauen im arbeitsfähigen Alter geben.

Gibt es regionale Unterschiede?

Ja, zum Teil erhebliche. Nach den Vorausberechnungen der Experten wird die Bevölkerungszahl in den westdeutschen Flächenländern bis 2060 um vier Prozent abnehmen. Im Osten beträgt das Minus demnach sogar 18 Prozent. Mit plus zehn Prozent werden dagegen die Stadtstaaten Hamburg, Bremen und Berlin profitieren. Alle zusammen sind jedoch Verlierer, wenn es um die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter geht. Für die Stadtstaaten wird bis 2060 mit einem Rückgang um vier Prozent in dieser Gruppe gerechnet. In den westdeutschen Flächenländern ist ein Minus von 16 Prozent zu erwarten. Im Osten gar von 30 Prozent. Bis 2060 werden die neuen Länder also fast jeden dritten Einwohner im arbeitsfähigen Alter verlieren.

Wie haben die Statistiker gerechnet?

Ihren Berechnungen haben die Statistiker verschiedene Annahmen und Erfahrungswerte zur Geburtenhäufigkeit, Lebenserwartung sowie den Wanderungsbewegungen zu Grunde gelegt. So beträgt die Geburtenziffer aktuell 1,57 Kinder je Frau. Seit 2012 ist hier ein Anstieg zu beobachten. Auch die Lebenserwartung geht nach oben. Bei einem neugeborenen Jungen sind es derzeit 78 Jahre, bei einem neugeborenen Mädchen 83 Jahre. Und beim Wanderungssaldo wurde zum Beispiel berücksichtigt, dass in den Krisenherden der Welt mittelfristig keine Besserung in Sicht ist und die Migrationspolitik stärker den Arbeitskräftebedarf im Blick hat.