Politik

Flüchtlinge Kritik an deutscher Förderpraxis

Mehr Rückkehrer nach Syrien

Archivartikel

Berlin/Damaskus.Trotz der andauernden Kämpfe in Syrien kehren immer mehr syrische Flüchtlinge in ihre Heimat zurück. In den ersten Monaten des Jahres sind bereits mehr als 35 500 Syrer selbstorganisiert zurückgekehrt, wie aus Zahlen des UN-Flüchtlingskommissariats UNHCR hervorgeht. Insgesamt seien in den vergangenen drei Jahren von mehr als 5,6 Millionen Flüchtlingen rund 173 000 zurückgekehrt.

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) unterstützt wegen der aktuellen Sicherheitslage die freiwillige Rückkehr nach Syrien nicht. In Deutschland bekommen syrische Flüchtlinge aber weiterhin finanzielle Hilfen bei einer Rückkehr. Bis zu 3500 Euro Starthilfe bekommt eine Familie, wenn sie sich zur Rückkehr entschließt, hinzu kommen Zuschüsse zu den Reisekosten. Insgesamt seien in den vergangenen zweieinhalb Jahren 792 freiwillige Ausreisen nach Syrien finanziert worden, teilte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) mit.

Die Zahl der geförderten Rückkehrer habe sich von 2017 bis 2018 sogar mehr als verdoppelt, sagte eine Sprecherin. Die Entscheidung falle oft nach intensiven Kontakten mit Familienangehörigen und „ohne dass sie hierzu von Bundes- oder Landesbehörden in irgendeiner Weise ermutigt werden“. Insgesamt sind rund 780 000 Syrer nach Deutschland geflohen.

Die deutsche Hilfsorganisation Medico International spricht von einer „Starthilfe in den Tod“. „Es ist total beschämend, dass etwa das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge und die Internationalen Organisation für Migration die freiwillige Rückkehr nach Syrien derzeit nicht fördern, die Bundesregierung aber schon“, sagt der Nahost-Koordinator von Medico, Till Küster. dpa