Politik

Chancengleichheit Bildungsbarometer zeigt Bereitschaft zu Reformen in der Kinderbetreuung

Mehrheit der Deutschen unterstützt Kita-Pflicht

Archivartikel

Berlin.Zwei von drei Deutschen sind dafür, dass Kinder ab vier Jahren verpflichtend eine Kindertagesstätte (Kita) besuchen. Im Bildungsbarometer des Instituts für Wirtschaftsforschung (ifo-Institut), das am Mittwoch in Berlin vorgelegt wurde, sprachen sich 67 Prozent für eine solche Regelung aus.

Eine deutliche Mehrheit von 78 Prozent befürwortet außerdem, dass Kitas für Kinder ab vier kostenlos sein sollten. Der SPD-Bildungsexperte Oliver Kaczmarek schloss am Mittwoch eine Kita-Pflicht nicht grundsätzlich aus. Familien- und Bildungspolitiker anderer Parteien winkten dagegen ab.

Förderung von Familien

In der repräsentativen Umfrage des ifo-Instituts wurden die Menschen nach ihrer Meinung zu verschiedenen Reformideen für das deutsche Bildungssystem mit Blick auf mehr Chancengleichheit für alle Kinder befragt. 71 Prozent der Deutschen sind generell der Meinung, der Staat sollte mehr Geld für Kinder aus schlechter gestellten Familien ausgeben, um die Chancengleichheit zu erhöhen.

Philipp Lergetporer vom ifo Zentrum für Bildungsökonomik sagte, die Befragung habe gezeigt, dass es beim Thema Bildung eine große Reformbereitschaft in der Bevölkerung gebe. Von acht Reformvorschlägen, die man zur Bewertung vorgelegt habe, seien sieben mehrheitsfähig.

So befürwortet eine Mehrheit neben der Kita-Pflicht und der kostenfreien Kinderbetreuung auch die Einführung von Ganztagsschulen, mehr Ausgaben für benachteiligte Schulen und höhere Lehrergehälter an sogenannten Brennpunktschulen. Am meisten Zustimmung bekommt indes ein Ausbau von Stipendienprogrammen für einkommensschwache Studenten (83 Prozent).

Die Idee einer Kita-Pflicht wurde allerdings am Mittwoch von Bildungs- und Familienpolitikern verschiedener Parteien abgelehnt. Marcus Weinberg von der CDU sagte der „Welt“, er sei zwar der festen Überzeugung, dass ein Kind von Betreuung und früher Bildung in der Kindertagesstätte profitiere. Man habe aber die individuellen Lebensmodelle der Familien zu respektieren.

Auch die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Margit Stumpp, zeigte sich skeptisch: Bevor über eine Kita-Pflicht nachgedacht werde, müssten die jetzt schon fehlenden Plätze geschaffen und es müsse in die Qualität investiert werden.

Zustimmung zu Gesetz

Der bildungspolitische Sprecher der SPD, Oliver Kaczmarek, verwies auf das „Gute-Kita-Gesetz“ der Regierung, über das in den kommenden Jahren 5,5 Milliarden Euro für Kitas bereitgestellt werden.

Damit hat die Bundesregierung in der Bevölkerung einen Nerv getroffen: 84 Prozent der Befragten äußerten im Bildungsbarometer Zustimmung zum „Gesetz zur Weiterentwicklung der Qualität und zur Teilhabe in der Kindertagesbetreuung“. dpa

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