Politik

Studie Veranstaltungsverbot findet weniger Akzeptanz in der Bevölkerung / Ein Drittel aller Kurzarbeiter bangt um Arbeitsplatz

„Menschen sind wieder sozial aktiv“

Archivartikel

Mannheim.Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich mit den Ministerpräsidenten der Länder darauf geeinigt, das Verbot von Großveranstaltungen bis Ende Oktober zu verlängern. Dies betrifft zumindest all diejenigen Volks- und Straßenfeste, bei denen eine Kontaktverfolgung und die Einhaltung von Hygieneregeln nicht möglich sind. In der Gesellschaft findet dieses Verbot derweil allerdings weniger Zustimmung. Nur noch rund 75 Prozent der deutschen Bevölkerung halten es für angemessen, Veranstaltungen mit mehr als 100 Personen zu untersagen. Das zeigen die jüngsten Ergebnisse der Mannheimer Corona-Studie. In der Hochphase der Pandemie lag dieser Wert bei etwa 95 Prozent.

Dass aber insgesamt trotzdem noch drei Viertel der Bevölkerung das Veranstaltungsverbot akzeptieren, „ist ein beeindruckendes Ergebnis“, findet Studienleiterin Annelies Blom. Die Professorin für Datenwissenschaft an der Universität Mannheim untersucht mit einem Team aus Wissenschaftlern, wie die Corona-Krise das Leben der Menschen in Deutschland beeinflusst. Jede Woche werden dazu rund 3600 Studienteilnehmer befragt.

Seit Ende Mai schätzt etwa die Hälfte der Befragten den wirtschaftlichen Schaden der aktuellen Corona-Verordnungen höher ein als deren Nutzen. Rund ein Drittel der derzeitigen Kurzarbeiter – so heißt es in einem neuen Schwerpunktbericht – fürchten um ihren Arbeitsplatz. „Es wird deutlich, dass sich besonders diejenigen, die jetzt schon Rückschritte beim Einkommen und ihrer Arbeitszeit sehen, um ihre Zukunft Sorgen machen“, kommentiert Blom das Ergebnis. Sie unterstreicht dabei den Unterschied zur Weltwirtschaftskrise 2009. Damals sei Kurzarbeit als kurzfristige Lösung eingesetzt worden. „Jetzt wissen wir nicht, wie lange diese Maßnahme dauern wird. Dadurch ist die Unsicherheit, wie es mit der Wirtschaft mittelfristig weitergeht, größer“, sagt sie.

Gleicher Stand wie vor der Krise

Ein weiteres Ergebnis der Ministerpräsidentenkonferenz am Mittwoch: Die Bürger sind dazu angehalten, ihre Kontakte zu anderen Personen gering zu halten. Auch der Personenkreis soll möglichst konstant bleiben. Mit Blick auf die Mannheimer Studie zeigt sich: Treffen finden wieder im gleichen Umfang statt wie vor der Krise. „Die Menschen sind wieder sozial aktiv“, sagt Blom. „Was aber nicht heißt, dass die Kontakte nicht mit dem vorgeschriebenen Abstand stattfinden.“

Nachdem Südkorea – zur Eindämmung der Pandemie – Mobiltelefone ohne die Zustimmung der Menschen geortet hatte, wurde auch diese mögliche Maßnahme in die Corona-Studie aufgenommen. Die Akzeptanz der deutschen Bevölkerung lag hier über Wochen hinweg bei etwa 25 Prozent. „Erst in den letzten Tagen ist dieser Wert etwas zurückgegangen“, so Blom. „Dieser Effekt könnte mit der Einführung der offiziellen Corona-Warn-App und den damit verbundenen Diskussionen in der Politik und Öffentlichkeit zusammenhängen“, erklärt sie.

Rückschlüsse auf die allgemeine Befürwortung der neuen App könne man dadurch aber nicht ziehen. Aus diesem Grund werden seit einigen Tagen neue Daten erhoben. Die Teilnehmer werden nun ebenfalls gefragt, ob sie die Warn-App der Bundesregierung runterladen und nutzen würden. Hierzu kann Blom allerdings noch keine aussagekräftigen Ergebnisse nennen.

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