Politik

Seenotrettung „Eleonore“ legt trotz Verbot in Italien an

Migranten können Schiff verlassen

Rom.Mehr als 130 Migranten von zwei tagelang blockierten Rettungsschiffen haben nach einer dramatischen Sturmnacht nun doch in Italien an Land gedurft. Der Kapitän des deutschen Schiffs „Eleonore“, Claus-Peter Reisch, rief nach einer Woche Blockade auf dem Meer den Notstand aus und steuerte trotz eines Verbots der italienischen Regierung nach Sizilien. Dort konnte er am Montag im Hafen von Pozzallo überraschend rasch anlegen. Die Migranten durften aussteigen. Das Schiff werde beschlagnahmt, erklärte das Innenministerium in Rom. Auch von dem Rettungsschiff „Mare Jonio“ gingen die Migranten nach knapp einer Woche von Bord.

Die Lage auf der „Eleonore“ war schon seit Tagen heikel. Das als private Motorjacht registrierte Boot war viel zu klein für die vielen Menschen. In der Nacht zum Montag kam dann ein Gewittersturm dazu. „Es herrschte Lebensgefahr; so hoch waren die Wellen“, sagte der SPD-Politiker und Vizepräsident des Bayerischen Landtags, Markus Rinderspacher, der seit Sonntag mit an Bord war.

„Alan Kurdi“ auf See blockiert

Reisch entschied, den Notfall auszurufen und steuerte Richtung Italien. Wohl wissend, dass dort ein Einfahrtsverbot galt. Darüber setzte er sich hinweg. Das Seerecht sagt, dass Schiffe, die den Notstand ausrufen und auf denen Leben in Gefahr ist, einen Hafen ansteuern dürfen. Noch-Innenminister Matteo Salvini zeigte sich wieder hart: „Gesetze und Grenzen müssen respektiert werden.“ Unklar ist, ob gegen Reisch in Italien ermittelt wird.

Am Montag durften auch rund 30 Migranten von Bord des italienischen Rettungsschiffes „Mare Jonio“ gehen, das tagelang vor Lampedusa gewartet hatte.

Vor Malta ist nun noch die deutsche „Alan Kurdi“ blockiert. Sie hatte 13 Migranten aufgenommen, die selbstständig mit einem seeuntauglichen Holzboot von Tunesien nach Lampedusa fahren wollten. 

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