Politik

Russland 1600 Demonstranten in Polizeigewahrsam

Mit Schlagstöcken gegen die Putin-Kritiker

Archivartikel

MOSKAU.Vor dem Puschkin-Platz in Moskau stehen Absperrungen. Metallene Gitter, die für die Militärparade am 9. Mai, dem Gedenktag der Russen für den Sieg gegen Nazi-Deutschland, Straße und Bürgersteig trennen. Doch bereits am Wochenende kamen sie gelegen. Denn die Putin-Kritiker, die sich da versammelt haben, sollen nicht stören. In mehr als 40 russischen Städten haben sich die Menschen versammelt, zwei Tage vor der Amtseinweihung Putins, der heute seine vierte Amtszeit als Präsident antritt.

Moskaus Mittel gegen die aufbegehrenden Menschen: Schlagstöcke und Festnahmen. Ob es dabei den Oppositionsführer Alexej Nawalny trifft oder einen Zwölfjährigen – die Polizisten in Kampfmontur, die in Russland „Kosmonauten“ genannt werden, machen da keinen Unterschied.

Dieses Mal gingen sie besonders rabiat vor – und bekamen fragwürdige Hilfe von Vertretern kremltreuer Organisationen und Männern in Kosakenuniform. Diese schlugen auf die Menschen mit Fäusten und Peitschen ein und erklärten: „Jeder, der hier gegen Putin ist, handelt gegen das russische Gesetz.“

System der Einschüchterung

Mehr als 1600 Menschen kamen russlandweit in Gewahrsam. Das harte Durchgreifen schreckt selbst Vertreter des Apparates auf. Maxim Schewtschenko, ein Vertreter des von Putin einberufenen Menschenrechtsrates, will vor allem die Rolle der Kosaken aufgeklärt wissen, einer Gruppe, die immer öfter als Hilfspolizei auftritt, wenn es um das Zurückdrängen Andersdenkender geht.

Aber viele, vor allem Staatsangestellte, haben Angst, die Zustände offen zu kritisieren – sie fürchten um ihre Jobs. Die Einschüchterung dieses Systems funktioniert. Und viele bleiben zu Hause, weil sie auch bei Russlands zerstrittener Opposition keinen Ausweg aus Putins starrem System finden.

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