Politik

Protest Opposition und SPD wollen Agrarpolitik ändern / Bauern buhen Umweltministerin Svenja Schulze aus

Mit Tausenden Treckern gegen die Politik

Berlin.Sie kamen mit einer riesigen Traktoren-Kolonne und ziemlicher Wut im Bauch: Tausende Bauern aus ganz Deutschland haben am Dienstag mit einer Großkundgebung in Berlin gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung demonstriert. Die Veranstalter sprachen von rund 40 000 Teilnehmern und 5600 Fahrzeugen. Sie forderten mehr Mitsprache bei Neuregelungen zum Umwelt- und Tierschutz und mehr Wertschätzung für ihre Branche. Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) sagte Hilfen bei Änderungen zu und rief zum Dialog auf. Im Bundestag forderten die Opposition und die mitregierende SPD Änderungen der Agrarpolitik.

Auch in der Region demonstrierten Bauern. Unter anderem in Ladenburg entzündeten Landwirte ein „Mahnfeuer“ zum Zeichen ihres Protestes. Vor einigen Tagen hatten bereits 900 Bauern in Neustadt mit ihren Traktoren protestiert.

Am Brandenburger Tor machten am Dienstag Bauern mit Trillerpfeifen ihrem Ärger Luft. „Wir Landwirte haben es satt, die Buhmänner der Nation zu sein“, sagte Norbert Stamm aus der Nähe von Leverkusen. Auf Transparenten stand: „Ist der Bauer ruiniert, wird dein Essen importiert“ oder „Gemeinsam statt gegeneinander“. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) warb bei der Demo für klare Regeln zum Schutz von Grundwasser und Insekten, denn auch die Bauern hätten ein Interesse daran, dass es in Zukunft noch sauberes Wasser und Bestäuber gebe – und wurde dafür ausgebuht. Auch Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) stellte sich den Bauern. Sie verteidigte die Neuregelungen und bot mehr Beteiligung an. Beim Insektenschutz solle jede Maßnahme besprochen werden. „Wir fordern einen Stopp der Agrarpakete und kein Weiter so“, sagte auch Brandenburgs Landesbauernpräsident Henrik Wendorff.

Kritik an Billigpreisen

Wo zu viel Nitrat im Grundwasser gemessen werde, „da müssen wir reagieren“, sagte sie mit Blick auf neue Düngeregeln. Sie beklagte Erwartungen an mehr Umwelt- und Tierschutz, während es in Supermärkten Billigpreise für Fleisch und Wurst gebe. Zu dem Protest hatte die Initiative „Land schafft Verbindung“ aufgerufen. dpa

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