Politik

US-Wahl Trump-Herausforderer sucht Stellvertreterin / Vier dunkelhäutige Frauen in engerer Auswahl

Mit wem tritt Biden an?

Washington.Der demokratische Präsidentschaftskandidat macht es spannend. „Ich verspreche Ihnen, dass ich es sie wissen lasse, wenn es soweit ist“, sagt Biden Reportern, die versuchen aus ihm herauszukitzeln, mit wem er antreten könnte. Nur soviel ist sicher: Joe Biden will mit einer Frau antreten, die „meine Philosophie des Regierens“ und die „systematischen Dinge, die ich verändern will“, teilt. Wichtig ist dem 78-jährigen auch, dass die Kandidatin ihn im Weißen Haus unmittelbar ersetzen kann. Darüber hinaus hat Biden verraten, dass unter den ernsthaften Anwärterinnen vier schwarze Frauen sind. Das Vizepräsidenten-Komitee hat nach Überprüfung der Bewerberinnen eine Gruppe von Finalistinnen empfohlen, mit denen Biden persönlich sprechen will. Alles andere bleibt Spekulation. Die aussichtsreichsten Kandidatinnen:

Platz 7 · Val Demings

Die ehemalige Polizei-Chefin von Orlando im US-Bundesstaat Florida machte sich während des Amtsenthebung-Verfahrens gegen Donald Trump mit ihren scharfen Auftritten als eine von sieben Anklägerinnen aus dem Repräsentantenhaus national einen Namen. Die 63-jährige schwarze Kongress-Abgeordnete genießt die Unterstützung von Speakerin Nancy Pelosi. Demings Zeit an der Spitze der Polizei in Orlando birgt Chancen und Risiken für Biden.

Platz 6 · Keisha Lance Bottoms

Die schwarze Bürgermeisterin von Atlanta gehört nicht zu den Demokraten, die der Polizei den Geldhahn abdrehen wollen. Bottoms teilt den Ansatz Bidens, der stattdessen auf Reformen setzt. Die 50-Jährige kann Erfahrungen aus der Führung einer Großstadt mit einer halben Million Einwohner einbringen. Im Juni wurde sie positiv auf Sars-CoV-2 getestet, hat aber keine Symptome. Lokale Kontroversen sind die Achillesferse der charismatischen Politikerin.

Platz 5 · Karen Bass

Die Führerin der schwarzen Abgeordnetengruppe im Repräsentantenhaus hat in dem ehemaligen Senator und Biden-Freund Chris Dodd einen wichtigen Förderer. Als Teil des Vizepräsidenten-Komitees machte er sich für die 67-jährige Bass „als loyale Nummer Zwei“ stark. Die frühere Speakerin im Staatshaus von Kalifornien fiel national bisher kaum auf. Zwei von drei Amerikanern wissen nicht, wer sie ist.

Platz 4 · Tammy Duckworth

Die 52-jährige Senatorin aus Illinois bringt das Renommee einer Kriegsheldin in das Rennen ein, die beim Abschuss ihres Hubschraubers 2004 im Irak beide Beine verloren hat. Die Tochter einer asiatischen Mutter und eines US-Offiziers kämpfte sich aus dem Rollstuhl in der Politik hoch. Biden kennt sie aus ihrer Arbeit für die Veteranen-Administration, bevor sie 2011 für den Kongress antrat. Duckworth verkörpert mit ihrer Biografie Stärke und Patriotismus, kann aber nicht Präsidentin werden, weil sie in Bangkok zur Welt kam.

Platz 3 · Susan Rice

Die ehemalige Nationale Sicherheitsberaterin Barack Obamas verbrachte den größten Teil ihres Lebens in Washington, wo sie 1964 zur Welt kam. Nach ihrem Studium in Stanford und als Rhodes Stipendiatin in Oxford arbeitete die Afro-Amerikanerin im Nationalen Sicherheitsrat Bill Clintons, bevor sie zur rechten Hand Madeleine Albrights im Außenministerium aufstieg. Die Bush-Jahre überbrückte sie in der Brookings Institution bevor sie unter Obama als UN-Botschafterin in die Politik zurückkehrte. Biden setzte sich mit Rice der Kritik aus, eine ultimative Insidern zu seinem „Running Mate“ zu machen.

Platz 2 · Elizabeth Warren

Die Senatorin aus Massachusetts ist die Favoritin des progressiven Flügels der Demokraten. Nach ihrer Niederlage bei den Vorwahlen hat sich Warren loyal hinter Biden gestellt und ihr Interesse an dem Vize-Posten zu erkennen gegeben. Kaum jemand hat in der Debatte um Inhalte so viele Ideen in Bidens Programm eingebracht, wie die Frau, die Barack Obama half, die Finanzkrise 2008 zu meistern. Die 71-jährige ehemalige Harvard-Professorin feuerte die Basis der Demokraten an, käme Trump aber als Feindbild gelegen.

Platz 1 · Kamala Harris

Die Senatorin aus Kalifornien wird unter Analysten als „sichere Wahl“ für Biden gehandelt. Die Tochter eines Vaters aus Jamaica und einer Mutter aus Indien ist so etwas wie eine weibliche Version Barack Obamas. Die 55-jährige Juristin bekleidete als erste farbige Frau das Amt der Chef-anklägerin von Kalifornien, bevor sie 2016 als Senatorin für den größten US-Bundesstaat nach Washington ging. Einige verübeln Harris scharfe Debatten-Angriffe auf Biden während der Vorwahlen. Ihr Kommentar: „Das ist Politik“.

Vielleicht kommt aber alles ganz anders und der Präsidentschaftskandidat wartet mit einer echten Überraschung auf. Infrage kämen dafür Valerie Jarrett, die als rechte Hand Obamas im Weißen Haus eng mit Biden zusammenarbeitete. Oder die frühere First Lady, die, so der Kandidat, nur „ja“ zu sagen bräuchte. Doch Michelle Obama hat andere Pläne. An diesem Mittwoch feierte ihr neuer Podcast Premiere.

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