Politik

Evangelische Kirche EKD-Ratsvorsitzender sieht Zusammenhang mit geplanter Entsendung eines Flüchtlingsschiffs

Morddrohungen gegen Bedford-Strohm

Archivartikel

Augsburg.Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat wegen seines Engagements zur Entsendung eines Flüchtlingsschiffes ins Mittelmeer nach eigenen Angaben Morddrohungen erhalten. „Das war der Fall“, sagte der bayerische Landesbischof der „Augsburger Allgemeinen“. „Vor allem im Zusammenhang mit meinem Engagement in der Seenotrettung von Flüchtlingen habe ich recht konkrete Drohungen erhalten. Ich nehme sie nicht sehr ernst.“ Er hatte die Initiative Anfang Dezember zusammen mit Mitstreitern vorgestellt. Das von der Kirche initiierte Aktionsbündnis „United4Rescue“ will demnächst selbst ein Schiff zur Rettung von Flüchtlingen ins Mittelmeer schicken.

Für den Münchner Erzbischof und Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sagte Sprecher Bernhard Kellner: „Wir nehmen wahr, dass sich die Drohungen und das Klima verschärft haben.“ Kardinal Marx und Bedford-Strohm hatten erst Mitte Dezember 2019 bei einem ökumenischen Gottesdienst im Münchner Liebfrauendom mahnende Worte an die Politik gerichtet.

Bedford-Strohm verteidigte die Pläne der EKD. „Das hat nichts mit politischem Aktivismus zu tun“, sagte er. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) habe sich das Thema eines europäischen Verteilmechanismus zu eigen gemacht. „Ich unterstütze ihn sehr in seinem Vorhaben, dass er von anderen Ländern entsprechende Zusagen bekommt. Wir dürfen aber nicht tatenlos warten, bis sich Europa geeinigt hat, wir müssen jetzt handeln.“

Die Initiatoren des Bündnisses aus 150 Organisationen und Einzelbeteiligten wollen, dass die Mission möglichst ab dem Frühjahr von den Seenotrettern der Organisation Sea-Watch ausgeführt wird. Dafür soll ein zur Versteigerung stehendes Schiff aus dem Besitz des Landes Schleswig-Holstein gekauft werden. Die Initiatoren wollen das Forschungsschiff „Poseidon“ Mitte Januar ansehen – vor der geplanten Versteigerung Ende des Monats. Zuletzt sei es auf eine Million Euro geschätzt worden. Man wisse noch nicht, wie das Bieterverfahren ausgehe, hatte Bedford-Strohm gesagt. Alternativ wolle man ein anderes Schiff besorgen: Europaweit seien Seenotretter gebeten worden, sich nach einem geeigneten umzusehen.

Kosten mehr als 100 000 Euro

Unterdessen hat die Migrantenrettungsorganisation Mission Lifeline nach eigenen Angaben bereits ein neues Schiff gekauft, wie sie am Sonntag an ihrem Sitz Dresden mitteilte. „Etwa zwei Drittel der Umbaukosten sind noch nicht gedeckt“, sagte der Gründer Axel Steier in der Mitteilung. Auf Twitter listete die Organisation konkrete Kosten über weit mehr als 100 000 Euro auf. dpa

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