Politik

Spionage Berliner Botschafter in russisches Außenministerium einbestellt / Vier deutsche und 60 US-Diplomaten ausgewiesen

Moskau schlägt hart zurück

Archivartikel

Moskau.Als die schwere Tür des russischen Außenministeriums hinter ihm zufällt und er vor die Kameras tritt, spricht Rüdiger von Fritsch (Bild) sachlich – und diplomatisch. Es ist sein Job. „Es bleibt Deutschlands Interesse, ein gutes Verhältnis mit Russland zu haben. Wir bleiben offen für den Dialog“, sagte der deutsche Botschafter gestern in Moskau. Vier deutsche Diplomaten weist Russland aus. Es ist eine spiegelbildliche Reaktion, nachdem Berlin vier russische Diplomaten zu unerwünschten Personen erklärt hatte. „Auch in der aktuellen Lage bleiben wir zu einem Dialog mit Russland bereit und werden für die europäische Sicherheit und eine konstruktive Zukunft der Beziehungen zwischen unseren Ländern arbeiten“, sagte der deutsche Außenminister Heiko Maas in Berlin.

Russlands Außenministerium hatte zur Mittagszeit eine Reihe europäischer Botschafter einbestellt, um ihnen nach der konzertierten Aktion von mehr als 20 Ländern, etwa 140 russische Diplomaten auszuweisen, seine Reaktion mitzuteilen. „Diese Nachricht kommt nicht überraschend“, sagte Maas. Auch wenn Moskau den Mittelweg gewählt und Gleiches mit Gleichem vergolten hat, bleiben die Fronten zwischen Russland und dem Westen verhärtet.

Zustand bessert sich

Der Streit wegen des vergifteten Ex-Doppelagenten Sergej Skripal und seiner Tochter, die in Großbritannien mittlerweile ansprechbar und auf dem Weg der Besserung ist, spitzt sich weiter zu. Bereits am Vortag hatte Moskau angekündigt, innerhalb einer Woche 60 amerikanische Diplomaten aus Russland auszuweisen. Das US-Konsulat in Sankt Petersburg muss bereits bis heute geschlossen werden. Von einer „adäquaten“, nicht einer „symmetrischen Reaktion“, hatte Russlands Außenamtsprecherin Maria Sacharowa bereits gesprochen, als die Maßnahmen noch nicht offiziell ausgesprochen waren. Die Amerikaner sollte es mit der Schließung ihrer Vertretung in der „nördlichen Hauptstadt“ wohl härter treffen als mit der möglichen Schließung der Konsulate in Jekaterinburg am Ural oder in Wladiwostok in Russlands Fernem Osten. Das Haus in Sankt Petersburg gehört zu den prestigeträchtigsten und wichtigsten US-Konsulaten im Land.

Seit Tagen hatten die Russen eine spiegelbildliche Reaktion angekündigt, wie das in Fällen von Diplomatenausweisungen Usus ist. Russlands Außenminister Sergej Lawrow wiederholte bei der Ankündigung der Ausweisung von US-Diplomaten das große Unverständnis und die Empörung Russlands über die aus seiner Sicht vollkommen unbegründeten Schritte der Amerikaner und Europäer. Offiziell geht Russland davon aus, dass Amerika und Großbritannien das restliche Europa unter Druck gesetzt hätten. Es fühlt sich weiterhin zu Unrecht verdächtigt. Allerdings unternimmt es auch nichts, um seine Unschuld zu beweisen. Stattdessen setzt es auf seine bestens eingeübte Taktik: Lügen streuen, bis mehrere Versionen plausibel erscheinen. Sie stiften Ratlosigkeit und lassen das Gefühl entstehen, es gebe eine ganze Reihe von „Wahrheiten“ in diesem tatsächlich verworrenen Fall. Die Methode ist von Moskau gewollt. Nach innen kann der Kreml so an seinem Narrativ festhalten, der Westen habe sich gegen Russland verschworen. Die täglich gepflegte Legende, von äußeren Feinden umgeben zu sein, stärkt das System: Gerade im außenpolitischen Bereich stehen die Russen mehrheitlich hinter den Entscheidungen des Kremls.

Auf enge Beziehungen wolle man trotz der Diplomatenausweisungen natürlich nicht verzichten, teilte der Kreml-Sprecher Dmitri Peskow gestern mit. Es ist das russische Verständnis einer gemeinsamen Kommunikation: Man droht, man empört sich, man schlägt in aggressivem Ton zurück. Dabei will man eigentlich nur am gemeinsamen Verhandlungstisch ernst genommen werden.

Info: Video unter morgenweg.de/politik

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