Politik

Limburg 32-jähriger Syrer nach bisherigen Erkenntnissen ohne Verbindungen zur islamistischen Terror-Szene

Motiv des Täters bleibt unklar

Limburg.Es erinnert alles an die Terroranschläge von Nizza und dem Berliner Weihnachtsmarkt: Ein 32 Jahre alter Mann aus Syrien bringt in Limburg gewaltsam einen Lastwagen in seine Gewalt und rast davon. Schon an der nächsten Kreuzung fährt er auf insgesamt acht vor ihm stehende Fahrzeuge und schiebt sie unsanft zusammen. Acht Personen in den sieben Autos und einem Kleintransporter werden verletzt, ebenso der Täter selbst am Steuer des Lasters. Eine Katastrophe wie in Nizza und Berlin mit Dutzenden Toten bleibt aus, der Verdächtige wird festgenommen, eine Waffe war nicht im Spiel.

Dennoch verdichten sich zunächst die Gerüchte, der Anschlag habe einen terroristischen Hintergrund, zumal der Täter bei seiner Festnahme am Montagnachmittag mehrfach „Allah“ gerufen haben soll. Das ZDF meldet am Dienstag nach der Tat definitiv, die Sicherheitsbehörden stuften den Vorfall als Terrorakt ein. Doch dies wird im Lauf des Tages immer unwahrscheinlicher.

Asyl abgelaufen

Die ersten Ermittlungen deuten eher auf ein persönliches Motiv des Flüchtlings hin, der noch bis zum 1. Oktober einen subsidiären, also eingeschränkten Schutzstatus in Deutschland hatte. Am frühen Nachmittag teilt der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) mit, der Mann habe nach bisherigen Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden „keine Verbindungen in die gewaltbereite islamistische Szene“.

Auch bei der Durchsuchung seiner Flüchtlingsunterkunft in Langen im Kreis Offenbach werden weder Sprengstoff noch Waffen oder Propagandamaterial gefunden. Dasselbe gilt für die ebenfalls durchsuchte Wohnung seines Cousins im Landkreis Limburg-Weilburg. Mit dem soll der Verdächtige noch kurz vor der Tat in einer Gaststätte gesessen haben. Es werde aber weiter „in alle Richtungen ermittelt“, teilt die dabei federführende Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt mit. Schließlich muss das bei den Durchsuchungen sichergestellte Beweismaterial wie Handys und USB-Sticks noch ausgewertet werden.

Das Motiv des Verdächtigen ist nach wie vor unklar. Am Dienstagabend wurde gegen ihn Haftbefehl erlassen. Der Hessische Rundfunk meldete indes bereits definitiv, die Sicherheitsbehörden gingen nicht von einem terroristischen Hintergrund aus, sondern eher von einer Amokfahrt aus psychischen Motiven.

Dass der dringend Tatverdächtige so schnell festgenommen werden konnte, ist wesentlich drei jungen Bundespolizisten zu verdanken, die sich zufällig am Tatort befanden. Sie und ihre Kollegen leisteten auch Erste Hilfe bei den Verletzten vor Ort.

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