Politik

Großbritannien Am Dienstag entscheidet das Parlament

„Mr. Stop Brexit“ hofft noch

London.Vor dem Westminster-Palast herrscht Aufregung. Gerade hat Steve Bray erfahren, dass im Fernsehen während eines Interviews Pro-Brexit-Plakate im Hintergrund zu sehen sind. „Holt mehr Fahnen her“, ruft er. Sofort bekommt er ein Banner. Er streckt es in Sichtweite der Kameras: „Wir wollen eine Volksabstimmung.“ Bray atmet durch. Es ist viel los dieser Tage, besonders für den 49-Jährigen, der im Königreich als Ober-Aktivist mittlerweile eine Berühmtheit ist. Er ist „Mr. Stop Brexit“. Unermüdlich steht Bray seit September 2017 fast täglich vor dem Parlament, um gegen den Austritt aus der EU zu kämpfen.

Nicht wenige finden, Bray nervt. Der sieht das fast als Kompliment: „Jede Form des Brexit fügt allen Beteiligten Schaden zu.“ Die Europafreunde bewundern den hartnäckigen Mann, dessen Uniform unter anderem aus einem blauen Zylinder mit der Aufschrift „Stop Brexit“ besteht. Zudem trägt er stets eine EU-Flagge um die Schultern.

Verlängerungsstäbe aus Baumarkt

Einmal kam ein Lord aus Westminster und salutierte vor Bray. Solche Aufmerksamkeiten freuen ihn. Ohnehin gibt es keinen Politiker, der ihn nicht kennt. Und keine Kameraleute, denen er nicht schon durchs Bild gelaufen wäre. Als die Sender eines Morgens hohe Gerüste aufbauten, um ihre Interviews ungestört führen zu können, ging Bray zum Baumarkt und kaufte Verlängerungsstäbe für seine Plakate. Kurz darauf wackelte wieder ein „Stop Brexit“-Schild im TV-Hintergrund.

Das Gesicht der Anti-Brexit-Bewegung stammt aus Port Talbot, einer Stadt in Süd-Wales, die für ihre Stahlwerke bekannt ist. Und wo 57 Prozent für den Austritt gestimmt haben. ,,Ich habe die EU immer als selbstverständlich betrachtet und hätte nie gedacht, dass ich mal für unseren Platz in der Gemeinschaft kämpfen muss“, sagt Bray. Was aber, wenn das Königreich wie geplant am 29. März aus der EU austritt? Am Dienstag stimmt das Parlament über das zwischen Brüssel und London ausgehandelte Austrittsabkommen ab. Bray prognostiziert: „Der Brexit wird nicht kommen.“