Politik

Mündige Entscheidung

Es ist wohl eine der schwersten ethischen Fragen unserer Zeit: Soll das Kind abgetrieben werden, wenn klar ist, dass es mit einer Behinderung zur Welt kommen wird? Sowohl das Urteil gegen die Ärztin Kristina Hänel, die auf ihrer Internetseite über Schwangerschaftsabbrüche informiert hatte, als auch die Diskussion um vorgeburtliche Tests zur Feststellung von Trisomie tragen diese Frage in ihrem Kern. Dass der Vorsitzende des Ethikrats nun dafür plädiert, die Kosten dieser Tests von den Krankenkassen bezahlen zu lassen, ruft Kritiker auf den Plan. Je leichter es werde, solche Tests zu machen, desto häufiger werde abgetrieben, argumentieren sie. Das ist nicht ganz falsch. In Dänemark hat sich die Zahl der mit Down-Syndrom geborenen Kinder halbiert, nachdem Trisomietests zur Regelleistung wurden.

Dennoch darf betroffenen Paaren das Recht auf Information nicht verwehrt werden. Die Gesellschaft muss es aushalten, wenn sich Menschen nach langer Prüfung dazu entscheiden, die Schwangerschaft abzubrechen. Nun gilt es zu definieren, was nötig ist, um Müttern und Vätern zu einer mündigen Entscheidung zu verhelfen. Dazu gehören auch Informationen darüber, wie ein Leben mit Down-Syndrom konkret aussehen kann und welche Möglichkeiten es bietet. Nur derjenige, der beide Seiten kennt, wird in der Lage sein, sich im – für seine Situation – besten Sinne zu entscheiden. Die Grundlage dafür ist der Zugang zu seriösen Informationen. Ihn aus Angst vor einer bestimmten Entscheidung zu verweigern, nützt weder den Kindern noch den Eltern.