Politik

Nachfolge Dreyer als Interimslösung für die Partei-Spitze im Gespräch / Mittelfristig werden weitere Kandidaten gehandelt

Mützenich übernimmt die Fraktion

Archivartikel

Berlin.Nach der Rücktrittsankündigung von Andrea Nahles gibt es Pläne für eine Interimslösung. Demnach könnte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (Bild) übergangsweise die Partei führen. Klar ist, dass der Fraktionsvize Rolf Mützenich (Bild) kommissarisch die Führung der Fraktion übernehmen soll. Die ursprünglich für Dienstag geplante Neuwahl des Fraktionsvorsitzes soll nicht stattfinden. Die Interimslösung an der SPD-Spitze soll am Montag vom Parteivorstand beschlossen werden. Mittelfristig gibt es weitere mögliche Anwärter für die Spitzenfunktionen:

Malu Dreyer

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin (58) ist in der Partei beliebt, erhielt bei der Wahl zur stellvertretenden Vorsitzenden 97,5 Prozent und vermittelte im SPD-Streit zwischen Groko-Gegnern und -Befürwortern. Nach Berlin, so ließ sie immer wieder vernehmen, wollte sie allerdings nie wechseln.

Rolf Mützenich

Der 59-jährige Bundestagsabgeordnete aus Köln ist in der Reihe der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden für Außenpolitik zuständig. Er genießt in der Fraktion breites Ansehen und hat viel Erfahrung.

Stephan Weil

Der Ministerpräsident von Niedersachsen (60) gilt vielen seit Langem als möglicher Rettungsanker. In Niedersachsen ist er beliebt und führt die dortige große Koalition ohne Turbulenzen. Nach der SPD-Wahlniederlage machte er deutlich, dass er hinter Nahles steht. Am Sonntag sagte er: „Ich bin und bleibe furchtbar gerne Ministerpräsident und habe keine anderen Ambitionen. “

Manuela Schwesig

Die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern (45) hat ihre Karriere zielsicher absolviert. Als Bundesfamilienministerin verkörperte sie eine moderne, junge, weibliche SPD. Der Wechsel an die Küste, wo sie bereits Landessozialministerin gewesen war, kam wegen einer Erkrankung des Regierungschefs Erwin Sellering früher als erwartet.

Olaf Scholz

Der Bundesfinanzminister (60) ist machtbewusst, selbstsicher und hegt Ambitionen auf das Kanzleramt. Zumindest hat er deutlich gemacht, dass er sich dies zutraut. Vielen gilt er als technokratisch.

Achim Post

Der Chef der NRW-Landesgruppe in der Fraktion wird seit Tagen als möglicher Herausforderer von Nahles genannt. Der 60-Jährige gilt als ausgleichend und hat als Experte für Europa, Haushalt und Finanzen ein breites Portfolio.

Martin Schulz

Als Kanzlerkandidat ist der ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments gescheitert, seine Zeit als Parteichef dauerte nur kurz, seither ist der 63-Jährige einfacher Abgeordneter. Seit Tagen ist er als Bewerber um den Fraktionsvorsitz im Gespräch. Bei der ursprünglich für Dienstag geplanten Wahl wollte er aber nicht antreten. dpa (Bilder: dpa)