Politik

Nach dem Rücktritt wieder da

Berlin.Erst den Rücktritt ankündigen, dann aber doch davon absehen – Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) ist nicht der erste Spitzenpolitiker, der trotz gegenteiliger Ankündigung seinem Posten treu bleibt. Einer seiner Rückzieher-Vorgänger dürfte ihm bekannt vorkommen – er war es nämlich selbst und das mehrfach.

Konrad Adenauer

Am 8. April 1959 verkündet der erste Bundeskanzler, sein Amt aufzugeben und Nachfolger von Bundespräsident Theodor Heuss von der FDP zu werden. Der CDU-Politiker will als Staatsoberhaupt weiter Einfluss auf die Tagespolitik haben. Doch das ist laut Grundgesetz unmöglich – am 5. Juni zieht der 83-Jährige seine Kandidatur zurück.

Dieter Althaus

Nach dem Fiasko seiner CDU bei der Landtagswahl gibt der thüringische Ministerpräsident im September 2009 fluchtartig seinen Rücktritt bekannt – nur um wenige Tage später doch wieder die Amtsgeschäfte zu übernehmen. Althaus führt sie dann bis zur Berufung einer neuen Regierung – und begründet das mit der Landesverfassung.

Oskar Lafontaine

Nur wenige Wochen nach dem Triumph der Linken bei der Bundestagswahl 2009 erklärt Oskar Lafontaine seinen Rückzug vom Fraktions-, dann auch vom Parteivorsitz. Grund ist eine Krebsoperation. Nach dem Desaster bei der Wahl in Nordrhein-Westfalen im folgenden Mai will der ehemalige SPD-Politiker an die Spitze der Partei zurückkehren – unterliegt aber im internen Machtkampf.

Horst Seehofer

Der bayerische Ministerpräsident kündigt im Oktober 2012 an, sich 2018 aus der Spitzenpolitik zu verabschieden. Sein Nachfolger als Regierungschef und CSU-Vorsitzender solle dann als Spitzenkandidat in die Landtagswahl ziehen. Zwei Jahre später schließt Seehofer wiederum nicht aus, 2018 erneut als CSU-Kandidat anzutreten. Nach dem CSU-Debakel bei der Bundestagswahl 2017 muss er aber die Regierungsgeschäfte in München an seinen langjährigen Rivalen Markus Söder abgeben.

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