Politik

Kriminalität Russland soll hinter dem Anschlag stecken

Nach Mord an Georgier weist Berlin Diplomaten aus

Berlin.Der mutmaßliche Auftragsmord an einem Georgier in Berlin hat eine diplomatische Krise zwischen Deutschland und Russland ausgelöst. Die Bundesanwaltschaft ermittelt und spricht von einer staatsschutzspezifischen Tat von besonderer Bedeutung. Es gebe einen mutmaßlich politischen Hintergrund, teilte die Behörde am Mittwoch in Karlsruhe mit. Die Ermittler verfolgen den Anfangsverdacht, dass staatliche Stellen in Russland oder der Teilrepublik Tschetschenien dahinterstecken. Die Bundesregierung reagierte prompt und wies zwei russische Diplomaten aus. Russland kündigte daraufhin an, ebenfalls Schritte einzuleiten.

Am 23. August war ein 40 Jahre alter Georgier in einem kleinen Park in Berlin-Moabit von hinten erschossen worden. Sein Mörder hatte sich ihm am helllichten Tag auf einem Fahrrad genähert und auf Rücken und Kopf gezielt. Der mutmaßliche Täter, ein 49 Jahre alter Mann mit russischem Pass, wurde kurz nach der Tat gefasst. Seit seiner Festnahme schweigt er.

„Anhaltspunkte dafür, dass die Tat im Auftrag eines nichtstaatlichen Akteurs erfolgt ist, liegen bislang nicht vor“, heißt es in der Mitteilung der Bundesanwaltschaft. Die Ermittlungen hätten auch keinerlei Hinweise auf eine wie auch immer geartete Verbindung zwischen dem Beschuldigten und dem Tatopfer ergeben. Auf den Mann habe es im Mai 2015 in der georgischen Hauptstadt Tiflis schon einen Mordanschlag gegeben, den er verletzt überlebte.

Merkel kritisiert Moskau

Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte am Mittwoch zwei russische Diplomaten zu unerwünschten Personen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kritisierte Russland wegen fehlender Unterstützung bei der Aufklärung des Mordes: „In den bilateralen Beziehungen ist es natürlich schon ein Ereignis, dass wir eben von Russland leider keine aktive Hilfe bei der Aufklärung dieses Vorfalls bekommen haben“, sagte sie am Rande des Nato-Gipfels in Watford. Auswirkungen auf den bevorstehenden Ukraine-Gipfel sehe sie aber nicht.

Aus dem russischen Außenministerium hieß es der staatlichen Agentur Tass zufolge, Moskau sehe sich gezwungen, auf die Ausweisung der Diplomaten zu reagieren. Das Vorgehen Deutschlands sei unfreundlich und unbegründet, sagte Außenminister Sergej Lawrow. Welche Schritte Moskau konkret einleiten will und wann, ließ er offen. dpa

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