Politik

Demonstrationen Studierende fordern von Präsident Ivan Duque eine gerechtere, umweltfreundlichere und friedvollere Politik

Nächster Unruheherd Kolumbien

Archivartikel

Bogota.Drei Jahre sind an den Universitäten fast eine neue Generation: Kolumbiens derzeit eingeschriebene Studierende haben während ihres Studiums den Bürgerkrieg mit der FARC-Guerilla nicht mehr erlebt. Und damit auch nicht die Stigmatisierung linker sozialer Proteste im Land, die von den konservativen Eliten im Land stets als guerillanah und extrem verunglimpft wurden.

Doch das Kolumbien von heute ist ein anderes, das hat Kolumbiens junger konservativer Präsident Ivan Duque bislang nicht realisiert. Und so überrascht es nicht, dass es genau diese Themen sind, die nun weit über 200 000 Menschen im ganzen Land auf die Straße trieben, um von Duque eine neue Politik einzufordern: sozial gerechter, umweltfreundlicher, vor allem pazifistischer. Denn trotz Friedensvertrag mit der FARC wird weiter gestorben. Mehr als 100 Menschenrechtler und Aktivisten, Dutzende Indigene wurden in den letzten Monaten getötet.

Duque reagierte immer auf die gleiche Art: Beschwichtigungen, Versprechungen. Als das Militär dann ein Lager sich nicht dem Friedensprozess unterwerfender FARC-Guerilleros angriff, in dem sich auch zwangsrekrutierte Kindersoldaten befanden, wurde Duque selbst zur Zielscheibe: „Demonstrieren ist kein Verbrechen, Kinder zu töten schon“, stand auf Plakate junger Demonstranten in der Hauptstadt Bogota.

Zu niedrige Mindestlöhne

Dass der Protest von einer solchen breiten Masse getragen wird, hat Duque offenbar nicht erwartet. Der Politiker lebt trotz seines jungen Alters allem Anschein nach in einer vergangenen Zeit: „Es hat sich der Eindruck einer ob ihrer Unbeliebtheit verzweifelten und von den realen Problemen im Land abgeschotteten Führung bestätigt“, sagt Politikwissenschaftler Jochen Kleinschmidt (39) von der „Universidad del Rosario“ in Bogota im Gespräch mit dieser Zeitung. „Deren Weltbild und Sprache stammen noch aus der Zeit des Bürgerkriegs mit linken Aufständischen. Für Probleme werden Verschwörer aus dem Ausland verantwortlich gemacht.“ Immerhin versprach Duque seinen Landsleuten in einer TV-Ansprache den Dialog zu vertiefen. Konkrete Zusagen aber machte er nicht.

Im Prinzip geht es um ein neues Regierungsprogramm: Eines, das endlich die unausgegorene Sozialpolitik, zu niedrige Mindestlöhne, eine ungerechte Bildungspolitik zugunsten der Kinder reicher Familien sowie die entsetzliche Serie an Morden gegen Menschenrechtler, Indigenen und Aktivisten wirksam bekämpft. Kolumbiens junge Generation verzeiht Duque auch nicht dessen Fremdeln mit der Umsetzung des Friedensvertrags mit der FARC.

Die andere Seite der Medaille ist allerdings der Stimmungsumschwung nach einem überwiegend friedlichen Protest der Zivilgesellschaft bei Einbruch der Dunkelheit in Bogota und in Cali. Dort übernahmen nun – offenbar gezielt organisiert – gewaltbereite linksextreme Randalierer die Regie. Anfangs schafften es mutige Studierende, sich den Krawallmachern mit einer Menschenkette in den Weg stellen, doch am Ende setzten sich die Gewalttäter durch. Bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften am Donnerstag kamen sogar drei Menschen ums Leben, wie das Verteidigungsministerium mitteilte. (mit dpa)

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