Politik

Politbarometer Steigende Zustimmung für Jamaika-Bündnis im Bund / FDP-Chef Christian Lindner beliebter denn je

Neue Mehrheiten erwünscht

Archivartikel

Mannheim.Beim ersten Politbarometer nach der Bundestagswahl schwingt ein Trend mit, der den großen Parteien CDU/CSU und SPD nicht gefallen dürfte: Die Unterstützung aus der Bevölkerung ist schwach. Dagegen erhalten FDP, Grüne, Linke und AfD eine relativ hohe Zustimmung. Das geht aus den Ergebnissen der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen hervor.

Bemerkenswert ist dabei, dass sich die Mehrheit der Deutschen mittlerweile eine Regierungskoalition aus CDU/CSU, FDP und Grünen vorstellen kann - Jamaika. Der Name geht auf die Flaggenfarben des Inselstaats und die Farben der Parteien zurück. 59 Prozent der Befragten wünschen sich im Politbarometer eine solche Koalition. Zuvor war die Anhängerschaft noch nicht so groß.

"Nach der Bundestagswahl herrschen klare Machtverhältnisse", erklärt Andrea Wolf aus dem Vorstand der Forschungsgruppe. Durch die Ankündigung der SPD, in die Opposition gehen zu wollen, bleibe faktisch nur eine Möglichkeit: Jamaika. "Der Wunsch nach neuen Mehrheiten ist da", erklärt Wolf. Zwei Drittel der Bürger finden es gut, dass die SPD in der neuen Regierung keine Rolle mehr spielen will.

Merkel tritt auf der Stelle

Der Aufschwung der kleineren Parteien spiegelt sich auch darin wider, wie Spitzenpolitiker beurteilt werden. FDP-Chef Christian Lindner macht einen Sprung unter die Top drei. Auch Cem Özdemir (Grüne) gewinnt beim Ansehen, ebenso Sahra Wagenknecht (Linke). "Herr Lindner, Herr Özdemir und Frau Wagenknecht erreichen so gute Werte wie nie zuvor", sagt Meinungsforscherin Wolf. "Sie gehören eben zu den Gewinnern der Wahl." FDP und Grünen komme jetzt eine wichtige Bedeutung zu, wenn es um die Regierungsbildung geht.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU), und das ist untypisch für sie im Vergleich zu früher, verbessert sich nach der Wiederwahl kaum. "Man kann auch nicht davon reden, dass die CDU die Wahl gewonnen hat", erklärt Wolf. "Bundeskanzlerin Merkel ist nach den herben Verlusten am vergangenen Sonntag einfach stabil geblieben."

Wäre jetzt erneut Bundestagswahl, erreichte die Union im Politbarometer 32 Prozent, die Sozialdemokraten kämen auf 21 Prozent. Die AfD läge bei zwölf, die Grünen lägen bei elf, FDP und Linke jeweils bei zehn Prozent. Bei der Bundestagswahl hatten CDU/CSU ein Ergebnis von 32,9 Prozent erzielt, die SPD 20,5 Prozent, AfD 12,6 Prozent, FDP 10,7 und Linke 9,2 Prozent. Die Grünen kamen auf 8,9 Prozent.

Hohe Unzufriedenheit

Mit dem Ausgang der Wahl sind zwei Drittel der Befragten unzufrieden. Nur einmal, im Jahr 2005, war die Enttäuschung über das Ergebnis noch größer. Gleichzeitig stellen die allermeisten Deutschen ihre Entscheidung vom vergangenen Sonntag nicht infrage. "Die Wähler sind mit sich im Reinen", sagt Wolf, "mit dem, was insgesamt herausgekommen ist, jedoch nicht."

Auch nachdem die AfD mit einem zweistelligen Ergebnis in den Bundestag eingezogen ist, bleiben erhebliche Zweifel, dass sich "die Alternative" nachhaltig im Parteiensystem etablieren kann. Aktuell meinen 23 Prozent der Deutschen, dass die AfD auch langfristig erfolgreich sein wird. 72 Prozent glauben das hingegen nicht. Der Trend bei dieser Frage hat sich in den vergangenen drei Jahren nicht verändert.

Das wichtigste Problem in Deutschland ist nach Ansicht der Befragten nach wie vor die Zuwanderung und Integration von Flüchtlingen - auch wenn die Bedeutung verglichen mit dem Politbarometer von vor der Bundestagswahl etwas abgenommen hat. Dahinter folgen Rente/Alterssicherung, soziale Gerechtigkeit und Bildung/Schule. Neu auf der "Problem-Agenda" des Politbarometers: die AfD an sich und ihre Rolle im Bundestag, Gesundheit/Pflege sowie Kriminalität/innere Sicherheit.

Das nächste Politbarometer erscheint am 14. Oktober in dieser Zeitung.

Zum Thema