Politik

Dreikönigstreffen FDP will Anhänger von Sozialdemokraten überzeugen / Südwest-Partei macht sich für Landtagswahl bereit

Neue Zielgruppe: Arbeiter und AfD-Wähler

Stuttgart.Die FDP will weg von einer kleinteiligen Politik. „Bleiben wir frei. Denken wir groß“ steht auf der Leinwand, die sich auf der Bühne der Stuttgarter Oper befindet. Der Schriftzug ist eingebettet in einen Blick hinaus ins Weltall. Parteichef Christian Lindner, dessen Bühnenpräsenz wegen der exorbitanten Projektion fast etwas leidet, will der FDP und deren rund 1300 Sympathisanten und Mitgliedern beim traditionellen Dreikönigstreffen den Weg in die Zukunft aufzeigen.

Er präsentiert sich rhetorisch wie immer überzeugend. Leidenschaft, Witz, Emotionen – der FDP-Politiker ist ein professioneller Redner. Seiner Partei empfiehlt er, künftige eine Alternative für enttäuschte SPD-Wähler zu sein. Diese habe sich schließlich „völlig abgekoppelt von den Interessen und Bedürfnissen der Mitte unseres Landes“, sagt er. Und der FDP gehe es um all „diejenigen, die es mit Fleiß, Einsatzbereitschaft und Sparsamkeit im Leben zu etwas bringen wollen“. Wer bei den Sozialdemokraten nicht mehr fündig wird, soll eben bei der FDP eine neue politische Heimat finden.

Er will ungewöhnliche Wege gehen – und ruft seine Partei dazu auf, am 30. April, also vor dem Tag der Arbeit am, bundesweit „vor die Werkstore zu ziehen“, um mit Arbeitern ins Gespräch zu kommen. Dabei wolle man auch diejenigen ansprechen, die sich der AfD zuwenden, weil sie mit der Politik der schwarz-roten Bundesregierung unzufrieden seien. Im Gegensatz zur AfD sei die FDP jedoch keine Protest-, sondern eine Gestaltungspartei. Daher böten die Liberalen „den politisch Heimatlosen eine Alternative zu den Rechtspopulisten.“ Generell sei die FDP bereit, im Bund Regierungsverantwortung zu übernehmen. „Aber nur dann, wenn die Inhalte stimmen“, stellt er klar. Er ruft seine Partei dazu auf, größer zu denken – und nennt ein Schnellzug-System in China als Beispiel. Bei der Energiepolitik müsse künftig der Bedarf in Deutschland mit Hilfe von Solarenergie aus Afrika gedeckt werden. „Denken wir doch mal über unsere nationalen Grenzen hinweg“, fordert Lindner.

Nominierung im Juni

Die Südwest-FDP macht auf ihrem Landesparteitag am Sonntag in Fellbach bereits ihre Ambitionen auf eine Regierungsbeteiligung nach der Landtagswahl 2021 deutlich. Sie stellen dafür aber Bedingungen: Technologieoffenheit in der Automobilindustrie, die Wiedereinführung der verbindlichen Grundschulempfehlung – oder auch das Ende der Privilegierung der Gemeinschaftsschule, das sie zu erkennen meinen. In die Landtagswahl 2021 soll Landtagsfraktionschef Hans-Ulrich Rülke die Südwest-FDP führen. Dessen offizielle Nominierung ist auf einem Parteitag im Juni geplant.

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