Politik

Parlament Der Labour-Abgeordnete Lindsay Hoyle wird Nachfolger von John Bercow als Präsident des britischen Unterhauses

Neuer Sprecher will Hinterbänkler stärken

London. .Lindsay Hoyle ist am Montag zum neuen Präsidenten des britischen Unterhauses gewählt worden. Der Labour-Abgeordnete setzte sich am Abend im vierten Wahlgang gegen seinen Parteifreund Chris Bryant durch. Insgesamt sieben Bewerber hatten ihren Hut in den Ring geworfen. „Ich werde neutral sein, ich werde transparent sein“, sagte der 62 Jahre alte Politiker. Der neue „Speaker of the House of Commons“ wird traditionell von seinen Kollegen zu seinem Stuhl gezerrt – eine Tradition aus früheren Jahrhunderten, als der Unterhauspräsident nicht selten in der Auseinandersetzung mit der Krone auf dem Schafott landete.

Hoyle hatte eine Veränderung im Unterhaus versprochen. Es gehe darum, dass die Abgeordneten auf den hinteren Bänken die Regierung zur Rechenschaft ziehen könnten, hatte Hoyle in seiner Bewerbungsrede gesagt. Ein verantwortungsvoller Speaker müsse das unterstützen. Hoyles Vorgänger John Bercow hatte vergangene Woche nach zehn Jahren das Amt abgegeben, wenige Tage bevor das Parlament für die vorgezogene Wahl am 31. Oktober aufgelöst wird. Dadurch wurde die Auswahl des neuen Speakers ungewöhnlicherweise am Ende statt zu Beginn einer Legislaturperiode getroffen.

Der Parlamentspräsident hat eine zentrale Rolle im Unterhaus inne. Er erteilt und entzieht Abgeordneten das Wort, entscheidet über die Zulässigkeit von Anträgen und vertritt die Kammer unter anderem gegenüber der Königin und dem Oberhaus (House of Lords).

„Wir werden politische Meinungsverschiedenheiten haben, aber wie wir diese zum Ausdruck bringen, spiegelt sich im Land“, sagte Hoyle, der für das nordwestenglische Chorley im Parlament sitzt, der „Sunday Times“. Erfahrung hat der bisherige Vize-Sprecher genug. „Andere Kandidaten können darüber reden, mich haben Sie bereits neun Jahre erlebt“, hatte er im Parlamentsmagazin „The House“ um Stimmen geworben. Geprägt hat Hoyle ein privater Schicksalsschlag. 2017 starb seine Tochter Natalie im Alter von 28 Jahren. Seine Erfahrung im Umgang mit Trauer will er nun anderen Betroffenen weitergeben.

In der Nacht zum Mittwoch soll das Parlament aufgelöst werden für die anstehende Neuwahl am 12. Dezember. Dann muss auch der „Speaker“ im Amt bestätigt werden. dpa

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