Politik

Meinungsforschung US-Historiker Allan Lichtman betont hohe Bedeutung von Frauen für das Abschneiden der Demokraten

„Nichtwähler stellen die überwältigende Mehrheit“

Archivartikel

Allan Lichtman (71) gehört zu den besten Kennern der US-Politik. Der Historiker und Politologe der American University in Washington hat seit 1984 fast jede Präsidentschaftswahl richtig vorhergesagt.

Herr Lichtman, wie fällt Ihre Prognose für die Zwischenwahlen heute aus?

Allan Lichtman: Insgesamt stehen 470 Sitze in Repräsentantenhaus und Senat zur Wahl. Bei einer solchen Anzahl eine Vorhersage treffen zu wollen, wäre schlicht verrückt. Ich würde darauf keine Wette abschließen.

Sind die Wahlen ein Referendum über die Amtsführung des Präsidenten?

Lichtman: Auf jeden Fall. Das trifft ganz besonders in diesem Jahr zu, weil Trump der am meisten polarisierende Präsident seit langem ist.

Warum sind diese Zwischenwahlen so wichtig?

Lichtman: Sollte es den Republikanern gelingen, beide Häuser des US-Kongresses weiter zu kontrollieren, bedeutet das die totale Kontrolle der republikanischen Partei Donald Trumps über alle Aspekte der nationalen Regierung. Damit blieben die Instinkte Trumps über die nächsten zwei Jahre weiterhin ohne Kontrolle.

Welche Rolle spielen die Frauen diesmal bei den Kongresswahlen?

Lichtman: Es gibt in der heutigen Politik eine historische Kluft zwischen den Geschlechtern. Mit einem Abstand von 30 Prozent sind die Frauen unzufrieden mit Trump. Gemessen an den Daten, die wir von Wählern haben, die schon ihre Stimme abgegeben haben, beteiligen sich Frauen in Rekordzahl. Den Demokraten hilft das vor allem in den Vororten, wo viele republikanische Sitze im Spiel sind.

Wie stark hängt der Ausgang dieser Wahlen von der Mobilisierung der Wähler ab?

Lichtman: Die Midterms werden immer durch die Mobilisierung der Wähler entschieden. Wer auch immer Wähler aus der Gruppe der Nichtwähler für sich gewinnen kann, hat bessere Karten.

Welche Macht haben diejenigen, die nicht wählen gehen?

Lichtman: Die Nichtwähler stellen die überwältigende Mehrheit bei den Zwischenwahlen zum Kongress, also zu Repräsentantenhaus und Senat. Im Jahr 2014 waren das 140 Million Menschen und damit deutlich mehr als die Zahl der Amerikaner, die wählen gegangen sind. Niedrige Wahlbeteiligung begünstigt normalerweise die Republikaner, weil deren Basis aus älteren weißen Christen verlässlicher wählen geht als die Basis der Demokraten aus Minderheiten und jungen Leuten. Im Augenblick sieht es aber nach einer hohen Wahlbeteiligung aus, was den Demokraten helfen könnte.