Politik

Nur Palaver

Tanja Tricarico kritisiert, dass beim Weltklimagipfel in Bonn bisher kaum Ergebnisse erzielt wurden

Die erste Hälfte des Weltklimagipfels in Bonn ist geschafft - inklusive warmer Worte deutscher Minister, die als Gastgeber ein bisschen Geld verteilen und an das Gewissen der Staatengemeinschaft appellieren. Und es wurde viel palavert. Ganz im Sinne der Gipfelpräsidentschaft der Fidschi-Inseln.

"Talanoa" - (deutsch: Palaver) wird das Abwägen unterschiedlicher Positionen in der Landessprache des Inselstaates genannt. Für schlagzeilenträchtige Nachrichten hat die Konferenz zum Schutz des Klimas aber bisher nicht gesorgt. Vermutlich wird dies auch in der zweiten Woche des Gipfels nicht geschehen. Das traditionelle Schaulaufen der Staats- und Regierungschefs wird daran wohl nichts ändern.

Das ist sehr bedauerlich. Denn die Vertreter der nationalen Regierungen haben einiges auf dem Zettel. Wie kann das Abkommen von Paris aus dem Jahr 2015 umgesetzt werden? Welche Standards gelten für alle Staaten? Wie können die Länder, die beim Klimaschutz noch mehr Einsatz zeigen könnten, genau dazu bewegt werden? Die Liste der Fragen ist lang, Antworten auf sie zu finden, ein langwieriger Prozess. Bei diesem Gipfel sollen vor allem technische Fragen geklärt werden. Es geht um das Kleingedruckte, um die Details, damit aus bloßen Absichtserklärungen und der Zusage zum Pariser Abkommen auch Taten werden. Aber in einer Zeit, in der der Klimawandel angezweifelt wird und gleichzeitig seine Folgen immer sichtbarer und deutlicher werden, muss von der Weltklimakonferenz ein starkes Signal ausgehen.

Es sind vor allem Entwicklungs- und Schwellenländer, die den Klimawandel zu spüren bekommen. Die Staatengemeinschaft muss ihre Belange stärker in den Blick nehmen. Es geht nicht nur um mehr Geld, mit dem die Menschen in ärmeren Staaten nach dem Sturm ihre Häuser wieder aufbauen können. Es geht um langfristige Hilfen, darum, das Leben an den Klimawandel anzupassen. Dazu ist eine gemeinsame Anstrengung der Staatengemeinschaft nötig. Bis auf die USA haben alle Mitglieder der Vereinten Nationen das Pariser Klimaschutzabkommen unterzeichnet. Sogar Syrien sagte in der vergangenen Woche zu, die Vereinbarung zu ratifizieren. Die Amerikaner dürfen beim Klima keine Sonderrolle bekommen, schließlich gehören ihre Industrien zu den größten Treibhausgasproduzenten der Welt. Bei aller Bedeutung des Kleingedruckten im Klimavertrag, der Gipfel der Staatenlenker muss eine seiner wichtigsten Aufgaben erfüllen: Starke Botschaften setzen - zum Schutz des Klimas weltweit.