Politik

Spanien Màxim Huerta muss wegen Korruption zurücktreten

Nur sechs Tage lang Minister

Madrid.In Spanien geschehen gerade viele Dinge in kurzer Zeit. Es ist gerade zwei Wochen her, dass der Sozialistenchef Pedro Sánchez den konservativen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy mit einem Misstrauensantrag herausforderte und gewann. Sánchez kann im 350-köpfigen Parlament nur auf 84 sozialistische Abgeordnete bauen, aber für den Sturz Rajoys bekam er doch eine absolute Mehrheit zusammen: um endlich wieder einen Regierungschef zu haben, der sich nicht täglich neuer Korruptionsvorwürfe erwehren muss.

Und dann kam Màxim Huerta. Der 47-jährige Kulturminister war einer der Paradiesvögel, die sich Sánchez ins Kabinett geholt hatte: ein Schriftsteller, der seine Bekanntheit vor allem seinen regelmäßigen Auftritten im privaten Frühstücksfernsehen verdankte. Sympathisch, redegewandt, meinungsstark. Er sah schon kommen, dass er bald zur Zielscheibe von Kritikern werden würde, weil er in einem Medium gearbeitet habe, „das alle sehen und alle dämonisieren“, das Fernsehen.

Seit Mai 2017 verurteilt

Die Vergangenheit holte Huerta am Mittwoch in Form eines Gerichtsurteils vom Mai vergangenen Jahres ein, das ihn als Steuerhinterzieher ächtet. Er hatte dem Fiskus innerhalb von drei Jahren mehr als 200 000 Euro vorenthalten, berichtete morgens die Netzzeitung „El Confidencial“. Es dauerte dann noch elf Stunden, bis Huerta wutschnaubend seinen Rücktritt erklärte – nach nur sechs Tagen im Amt. So kurz hatte es in der Geschichte der spanischen Demokratie noch kein Minister auf seinem Posten ausgehalten

Jede Stunde, die Sánchez verstreichen ließ, ohne den eitlen Minister aus dem Amt zu jagen, ließ etwas von dem Glanz seiner ersten Regierungstage verblassen. Jede Stunde des hinhaltenden Widerstandes gegen den unvermeidlichen Rücktritt ließ Sánchez seinem Vorgänger Rajoy etwas ähnlicher sehen. Kurz vor 19 Uhr erklärte Huerta seinen Abgang. Mit Steuerhinterziehern ist kein demokratischer Neuanfang zu machen.