Politik

Lateinamerika Juan Guaidó legt Konzept vor / Demonstrationen bis zum Rücktritt Nicolás Maduros angekündigt

Öl entscheidet über Venezuelas Zukunft

Archivartikel

Bogota.Entbürokratisierung, Ende des Überwachungsstaats, Vertrauen in das kreative und produktive Potenzial der venezolanischen Bürger: Mit seinem „Plan Pais“ hat der konservative Oppositionsführer Juan Guaidó (35) seine Vorstellung für den Neuaufbau Venezuelas vorgelegt. Damit wissen seine Landsleute, die derzeit für einen Regierungswechsel im ganzen Land auf die Straße gehen, wofür der junge charismatische Ingenieur steht. Seit seiner Wahl zum Parlamentspräsidenten am 5. Januar und der Selbstvereidigung zum Interims-Präsidenten am 23. Januar hat Guaidó einen kometenhaften Aufstieg hingelegt.

Bisher einte die Regimegegner vor allem das Ziel: die Ablösung Nicolás Maduros und der Sozialisten, Guaidó ist die dafür dringend benötigte Führungsfigur. Jetzt hat Guaidó seinen Führungsanspruch inhaltlich untermauert. In der Tat dürften besonders die Ölkonzerne dieser Welt genau hingeschaut haben, als Guaidó in der Aula der Zentraluniversität seine Pläne vorstellte. Der staatliche Ölkonzern PDVSA, derzeit praktisch im Parteibesitz, soll sich laut Guaidós Plänen wieder auf seine eigentliche Aufgabe konzentrieren: die Förderung von Öl und Gas. Internationale Investoren sind willkommen, die Lagerstätten bleiben aber in venezolanischer Hand. Das ist einerseits ein Signal an jene, die einen Ausverkauf fürchten, andererseits an die westliche Welt, wieder stärker in Venezuela zu investieren.

Der Ausverkauf des venezolanischen Öls ins Ausland hat derweil längst stattgefunden: Das Land ächzt unter den Milliardenschulden, die Venezuela an Russland und China zurückzuzahlen hat – mit Öl. Die Regierungen Hugo Chávez und Nicolás Maduro haben sich mit entsprechenden Milliardenkrediten in die Abhängigkeit Russlands und Chinas begeben. Wirklich Geld verdient Venezuela nur mit dem Verkauf des Öls in die USA, die in Dollar zahlen. Doch auch das ist seit den jüngsten Sanktionen Washingtons kaum noch möglich. Die Rechnungen für das venezolanische Öl sollen auf Treuhandkonten gezahlt werden, auf die das jetzige Regime keinen Zugriff mehr haben soll.

Auch für Peking und Moskau hatte Guaidó eine Botschaft: Einerseits gelte es zwar über die Auslandsschulden neu zu verhandeln, anderseits garantiere eine neue Regierung Stabilisierung der Wirtschaft und damit eine Absicherung der Milliarden-Investitionen. Peking, so vermeldete es gestern der Sender Globovision, stehe bereits mit beiden Seiten in Kontakt.

Eine Frage von zwei Wochen?

Guaidó will mit seinem Vorschlag der Dynamik vor dem so wichtigen Samstag heute zusätzlichen Schwung verleihen. Dann sollen alle Venezolaner wieder auf die Straße gehen, es soll der größte Protestmarsch seit Jahresbeginn werden. Guaidó verspricht: „Wir gehen so lange auf die Straße, bis diese Diktatur beendet ist.“

Heinz Dieterich, Soziologe und Autor des Buchs „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“, sagte im Sender CNN, die Ära Maduro könnte schon in zwei Wochen zu Ende sein.