Politik

Jahresbericht Deutsche Stiftung Weltbevölkerung geht von 9,8 Milliarden Menschen bis 2050 aus

Oft fehlt Zugang zu Verhütung

Berlin.Vor dem Hintergrund der schnell wachsenden Weltbevölkerung hat der UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA) einen verbesserten und selbstbestimmten Zugang von Frauen zu Verhütungsmitteln gefordert. „Noch immer gibt es 214 Millionen Frauen, die eine Schwangerschaft verhindern wollen, aber keine moderne Verhütungsmethode anwenden können“, kritisierte die Organisation gestern in Berlin zur Vorstellung ihres Weltbevölkerungsberichts. „Die Bevölkerungspolitik der Zukunft muss Rechte wahren und stärken.“

Derzeit leben nach Angaben der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung knapp 7,7 Milliarden Menschen. Im Jahr 2050 werden es nach Prognosen der Vereinten Nationen 9,8 Milliarden Menschen sein. Entwicklungsminister Gerd Müller (CDU) warnte vor schweren Versorgungsproblemen in Teilen der Welt. Ohne Änderungen werde es in Afrika bis 2050 eine Verdoppelung der Bevölkerung geben. Nigeria sei dann das Land der Erde mit der drittgrößten Zahl an Menschen. Täglich wachse die Weltbevölkerung um 230 000 Menschen, im Jahr um über 80 Millionen, davon zwei Drittel in Entwicklungsländern.

Müller: „Müssen Frauen stärken“

„Gewinnt der Storch oder gewinnt der Pflug? Das ist die spannende Frage“, so Müller. Das klare Signal sei, „wir müssen Frauen stärken und Familienplanung ermöglichen, insbesondere in den Entwicklungsländern“. Die Geschwindigkeit des Bevölkerungswachstums habe in den 1960er und 1970er Jahren eine große Besorgnis ausgelöst, teilte UNFPA zu dem Bericht mit. Mit einem weltweiten Durchschnitt von 2,5 Kindern pro Frau habe sich diese Rate seit dem Jahr 1969 aber beinahe halbiert.

Der Anteil der Frauen, die Verhütungsmittel nutzen könnten, hat sich dem Bericht zufolge in den vergangenen fünf Jahrzehnten mehr als verdoppelt: Waren es 1969 noch 24 Prozent, so erhöhte sich die Zahl auf 58 Prozent im Jahr 2019. Entscheidend ist dabei der Zugang zu Verhütungsmitteln. Je ärmer die Frauen sind, desto geringer ihre Chance, an die Mittel zu kommen. UNFPA-Geschäftsführerin Natalia Kanem erklärte, ohne diesen Zugang fehle den Frauen die Macht, Entscheidungen über ihren eigenen Körper zu treffen, darunter, ob sie schwanger werden wollten. Deswegen könnten sie auch nicht ihre eigene Zukunft gestalten. dpa