Politik

Reisen Für mehr als 100 000 Deutsche endet der Urlaub wegen der Corona-Krise abrupt / Rückholaktion läuft noch weitere Tage

Operation „Luftbrücke“ holt Touristen

Archivartikel

Berlin.Die größte Rückholaktion für Deutsche aus dem Ausland in der Geschichte der Bundesrepublik ist angelaufen. Am Mittwoch landete in München die erste von der Bundesregierung gecharterte Maschine mit Urlaubern aus Tunesien, die wegen Reisebeschränkungen in der Corona-Krise in dem nordafrikanischen Land gestrandet waren. Am Abend wurden zwei Maschinen aus dem ägyptischen Badeort Hurghada in München und drei aus Marokko in Frankfurt erwartet. Nach Angaben des Auswärtigen Amts sind noch mehr als 100 000 deutsche Touristen im Ausland – unter immer schlechter werdenden Bedingungen.

In den vergangenen Tagen hatten zahlreiche Länder wegen der rasanten Ausbreitung des Coronavirus Grenzen dicht gemacht und Flugverbindungen gekappt. Da Deutschland inzwischen zu den Hauptrisikoländern gehört, sind Bundesbürger besonders stark von den Einschränkungen betroffen.

Bundesaußenminister Heiko Maas hatte deswegen am Dienstag angekündigt, Deutsche aus den Ländern zurückzuholen, aus denen es keine regulären Linienflüge mehr gibt. Neben den Regierungs-Flügen organisieren die Fluggesellschaften und Reiseveranstalter schon seit dem Wochenende Sonderflüge, um Reisende zurückzuholen. Vom Reisekonzern Tui werden nach Angaben eines Sprechers täglich etwa 10 000 Passagiere zurückgebracht. Dazu gehörten aber auch Rückflüge, die die konzerneigene Linie Tuifly bereits im Plan hatte.

Das sind einige Hotspots für die Aktion, die Maas „Luftbrücke“ genannt hat:

Ägypten: Hier warten 30 000 deutsche Touristen auf ihre Heimflüge. Die ägyptische Regierung hat angekündigt, ab Donnerstag den Flugverkehr einzustellen. Viele Urlauber fühlen sich schlecht informiert und von den deutschen Reiseunternehmen im Stich gelassen.

Marokko und Tunesien: Neben Ägypten zählen auch diese beiden Urlaubsländer in Nordafrika zu den ersten Zielen der „Luftbrücken“-Flieger. Dort spitzt sich die Lage seit Tagen zu. Nach dpa-Informationen befinden sich derzeit mindestens 650 deutsche Touristen allein auf der Ferieninsel Djerba, in ganz Tunesien sollen es mehr als 1000 sein, in Marokko sogar 4000 bis 6000. Beide Länder haben den Flug- und Fährverkehr eingestellt.

Südafrika: Auf dem Kreuzfahrtschiff „Aida Mira“ sitzen 1240 Passagiere vor allem aus Deutschland und Österreich fest. Auch die 486 Besatzungsmitglieder durften das seit Montag im Hafen von Kapstadt liegende Schiff nicht verlassen.

Philippinen: Für die Philippinen, wo mehr als 1000 Deutsche festsitzen, sind zwei Rückholflüge der Bundesregierung für Donnerstag und Freitag geplant. Weitere sollen folgen. Präsident Rodrigo Duterte hatte den Inselstaat zur Katastrophenregion erklärt. dpa

Zum Thema