Politik

Corona Stuttgarter Initiative Querdenken 711 will am 3. Oktober in Konstanz demonstrieren

Pandemie polarisiert die Gesellschaft

Archivartikel

Berlin.Die Corona-Warn-App des Bundes stößt in der Bevölkerung auf große Vorbehalte, obwohl Experten ihr einen spürbaren Beitrag zur Eindämmung der Pandemie bescheinigen. In einer Umfrage im Auftrag des Technikverbandes gfu gaben 52 Prozent der Befragten an, sie wollten die App des Robert Koch-Instituts (RKI) nicht installieren.

Knapp die Hälfte (48 Prozent) erklärte in der am Mittwoch veröffentlichten Studie, die App habe für sie keinen persönlichen Mehrwert. Ein Drittel (33 Prozent) bezweifelte, dass die Daten ausreichend geschützt sind. Dabei hatten Datenschützer und Nicht-Regierungsorganisationen wie der Chaos Computer Club das Datenschutzkonzept der App zum Start gelobt. Knapp ein Drittel (30 Prozent) befürchtet Eingriffe in die Selbstbestimmung.

Unterdessen wird in Nordrhein-Westfalen im Gegensatz zu Berlin weiterhin keine grundsätzliche Maskenpflicht bei Demonstrationen gelten. Sie kann aber vom Ordnungsamt in Abstimmung mit der Polizei als weitere Schutzmaßnahme angeordnet werden. Das stellte das NRW-Gesundheitsministerium am Mittwoch auf Anfrage in Düsseldorf klar.

Die Stuttgarter Initiative Querdenken 711 will am 3. Oktober in Konstanz gegen die Corona-Politik demonstrieren. Eine Demonstration in Berlin sei nicht geplant, sagte Organisator Michael Ballweg am Mittwoch im Deutschlandfunk. Am Samstag hatten sich Zehntausende Menschen in der Hauptstadt versammelt, um gegen staatliche Corona-Auflagen zu protestieren. Darunter waren auch größere Gruppen von sogenannten Reichsbürgern. Ballweg wehrt sich aber gegen den Vorwurf, seine Protestbewegung toleriere antisemitische Haltungen. Das sei absurd, sagte Ballweg am Mittwoch. Mit der Demo im Süden Baden-Württembergs will die Bewegung nach Angaben von Ballweg Extremisten aus dem Weg gehen. Bei der Stadt Konstanz ist bisher allerdings nichts zur geplanten Demo bekannt, sagte ein Sprecher am Mittwoch. Auch die Polizei hat noch keine näheren Informationen.

Abstrakte Gefahr

Durch die Corona-Krise ist einer weiteren Studie zufolge die Gefahr einer gesellschaftlichen Teilung weitaus größer geworden. Die Menschen in Deutschland erlebten und bewerteten die Pandemie sehr unterschiedlich, heißt es in einer von der Organisation „More in Common“ am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Untersuchung.

Jeweils rund die Hälfte der 2000 Befragten fühlte sich in der Krise auf sich allein gestellt (51 Prozent) beziehungsweise unterstützt (49 Prozent). Im europäischen Vergleich zeigt sich den Angaben nach, dass die Pandemie für die Menschen in Deutschland abstrakter ist als in anderen Ländern. dpa/epd

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