Politik

Diplomatie Nordkorea und China informieren offiziell über den Besuch des Machthabers Kim Jong Un in Peking

Plötzlich ist nichts mehr geheim

Archivartikel

Peking.Die Geheimniskrämerei hatte ein abruptes Ende: Die chinesische und die nordkoreanische Staatspropaganda brachen gestern gleichzeitig ihr Schweigen zu dem Besuch von Machthaber Kim Jong Un bei Präsident Xi Jinping in Peking. Als hätte jemand einen Schalter umgelegt, waren die Parteizeitungen, die Webseiten und das Fernsehen voll von Berichten über das Zusammentreffen.

Bewegung im Atomstreit

Die beiden kommunistischen Staatsführer haben vor allem über die Aussichten auf ein kernwaffenfreies Korea gesprochen, berichtet die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. „Es ist unsere unveränderte Position, eine Denuklearisierung der Halbinsel anzustreben“, sagte Kim den Berichten zufolge. Das sei bereits der Wille seines Vaters und Großvaters gewesen. Seine Friedenspolitik beginne, Früchte zu tragen, so Kim.

Die Äußerung liest sich zynisch. Es waren ausgerechnet Vater und Sohn Kim, die in ihrem Land die ersten Atombomben entwickeln ließen. Unter Kim Jong Il hat Nordkorea im Jahr 2002 den Atomwaffensperrvertrag aufgekündigt. Da die USA keine Kernwaffen in Südkorea installiert haben, erfolgte die Nuklearisierung der Region also erst durch die Kims. Statt als Friedensstifter sind sie vor allem durch ihre Provokationen aufgefallen.

Der derzeitige Diktator hat allein im vergangenen Jahr 16 größere Raketentests befohlen. Dessen ungeachtet sendet Kim durch seine Äußerung eine positive Botschaft. Im Mai will US-Präsident Donald Trump direkt mit Kim über eine Lösung der Atomkrise verhandeln. Nun hat Kim gegenüber Xi seine Kompromissbereitschaft eindeutig dokumentiert. Abrüstung ist jetzt eine konkrete Option, obwohl Kim die Waffen erst in den vergangenen Jahren mit großem Aufwand hat verbessern lassen.

Es lag im Ermessen Xis, ob er Kim empfangen wollte. Er ist der Präsident einer Weltmacht, das viel kleinere Nordkorea war immer allenfalls ein Juniorpartner in Nordostasien. Kim wiederum ist erpicht, als wichtige Führungsfigur ernstgenommen zu werden, und lauert seit seiner Machtübernahme 2011 auf eine Gelegenheit, mit ausländischen Staatschefs zusammenzutreffen. Es war also Xi, der Kim zu dem Treffen zu Wochenbeginn eingeladen hat. Chinas Staatschef ist es wichtig, sein Land im Spiel zu halten. Indem Kim direkt mit den USA redet, mindert er den Einfluss des Bündnispartners.

Xi informierte Trump erst gestern persönlich über den Besuch. Der US-Präsident twitterte prompt: Kim freue sich auf das Treffen mit ihm, und die Besprechung mit Xi sei „gut verlaufen“. Kim trifft Trump voraussichtlich im Mai. Schon im April will er mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In verhandeln. Die diplomatische Offensive gilt als Wendepunkt in dem Konflikt.

Info: Video unter morgenweb.de/politik

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