Politik

Kriminalität Polizei-Razzia in vier Bundesländern / Schwerpunkt liegt bei Hooligan- und Kampfsportszene

Polizei erhöht Druck auf Rechtsextreme

Cottbus/Berlin.Mit einer Großrazzia in vier Bundesländern hat die Polizei gestern versucht, Netzwerke aufzubrechen. Schwerpunkt der Durchsuchungen in der Hooligan- und Kampfsportszene sowie bei rechtsextremen Gruppierungen war Brandenburg, insbesondere der Raum Cottbus, bestätigte die Polizei einen Bericht des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb). Insgesamt wurden mehr als 30 Objekte in Brandenburg, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen durchsucht, darunter Wohnungen, Gewerberäume und Büros.

Der Verdacht lautet den Angaben zufolge auf Bildung einer kriminellen Vereinigung. Er richte sich gegen rund 20 Menschen. Federführend ist die Staatsanwaltschaft Cottbus. Die zweitgrößte Stadt Brandenburgs sorgt mit ihrem rechtsextremistischen Potenzial, gewalttätigen Ausschreitungen und zeitweise aggressiver Stimmung immer wieder für Schlagzeilen. Der Verfassungsschutz bezeichnete den Raum Cottbus jüngst als „Hotspot“ des Rechtsextremismus in Brandenburg. Der Referatsleiter Öffentlichkeitsarbeit des Verfassungsschutzes Brandenburg, Heiko Homburg, spricht von rund 400 rechtsextremen Personen.

Vielschichtiges Milieu

Es gebe den parteipolitischen Rechtsextremismus in Form der NPD als auch die Kampfsport-Szene, die unter starkem Einfluss rechtsextremistischer Strukturen stehe, sagt Homburg gestern. Er nannte aber auch den gewaltbereiten Fußball-Hooliganismus wie die Gruppierung Inferno Cottbus. Nach Angaben bon Brandenburgs Verfassungsschutzchef Frank Nürnberger liegt die Zahl der Rechtsextremisten in Cottbus bei rund 170 Personen. Die rechtsextreme Szene sei vielschichtig. Sie reiche vom Rockermilieu über die Türsteher-Szene bis zum Security-Gewerbe.

„Wir haben Probleme mit Rechtsextremismus und den Strukturen“, sagte gestern Jan Gloßmann, Sprecher der Stadt Cottbus. Zunächst sollten die Ergebnisse der Durchsuchungen ausgewertet werden. Der Cottbuser Landtagsabgeordnete der Linksfraktion, Matthias Loehr, spricht von einem Problem, das die Region Cottbus seit 30 Jahren habe. Die Stadt versuche zwar, mit Netzwerken wie „Cottbus ist bunt“ dagegen anzugehen. Sie schaue aber auch zu oft weg. Der Innenexperte der CDU-Landtagsfraktion, Björn Lakenmacher begrüßte, dass der Rechtsstaat Flagge zeige.

Werner Fahle, Präsident des FC Energie Cottbus, sprach von einem „guten Signal“. Dem Fußballverein wird immer wieder vorgeworfen, nicht genügend gegen die rechtsextremen Energie-Fans zu tun. dpa