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Diskussion

Pro und Kontra: Sind längere Sperrzeiten nötig?

Lärm aus der Kneipe, Feierwütige in der Innenstadt, genervte Anwohner: Nach der Entscheidung zu strengen Sperrzeiten in der Heidelberger Altstadt wird das Thema emotional diskutiert: Sind längere Sperrzeiten nötig?

PRO: Von unserem Redaktionsmitglied Jessica Blödorn

Nichts spricht gegen einen amüsanten Abend an der Theke einer Eckkneipe. In guter Gesellschaft und frisch vom Fass schmeckt das Bier immerhin am besten. Doch muss dabei völlig die Außenwelt jenseits der schweren Holztür, durch die man gekommen ist, vergessen werden? Wohl eher nicht.

Jeder, der einmal in einer Innenstadt gelebt oder übernachtet hat, weiß, wie sehr der Lärm von den Straßen die Hauswände emporhallt. Erholsamer Schlaf und aufgeladene Energiespeicher am nächsten Tag sind damit ausgeschlossen. Im Sommer mag das Argument, dass sich die Gruppen auf öffentliche Bereiche der Stadt verlagern könnten, plausibel sein. Doch während der restlichen Jahreszeiten könnten längere Sperrzeiten für ruhigere Nachtstunden sorgen, da die Gäste früher heimgehen.

Gastwirte leben von ihrer Kundschaft, die am liebsten bis zum Morgengrauen sitzen und konsumieren soll. Doch sinkt der Umsatz auch ab einer gewissen Uhrzeit am Abend. Kneipen, deren Öffnungszeiten gerade unter der Woche bis in die Morgenstunden dauern, sind nicht halb so gut besucht wie in der Kernzeit von 20 bis 23 Uhr.

Selbst am Wochenende ist der Tresen nach 2 Uhr morgens meist nicht mehr voll besetzt. Viele Gruppen ziehen weiter – es wird in den Clubs gefeiert oder der Abend klingt in privater Umgebung aus. Wer in jedem Falle länger auf einem Barhocker sitzen und sich unterhalten will, kann immer noch in einen Stadtteil gehen, dem keine Sondersperrzeiten drohen.

KONTRA: Von unserem Redaktionsmitglied Heike Rentsch

Längere Sperrzeiten führen nur zu einer Sache: Dass Kneipen schließen oder sich außerhalb der Innenstadt eine neue Bleibe suchen. Allein schon deswegen, weil sich wegen oftmals horrender Mieten der Betrieb bei zu kurzen Öffnungszeiten nicht mehr lohnt. Doch nur mit einer lebendigen Kneipen-Kultur ist auch eine Innenstadt lebendig. Gerade das macht sie besonders, hebt sie von anderen Städten ab. Gemütliche Bars, originelle Cafés, urige Restaurants – das sind Gründe, warum Anwohner und Touristen die Heidelberger Altstadt lieben. Viele suchen gerade wegen dieser quirligen, pittoresken Mischung die Nähe und ziehen her.

Eine Altstadt, die zu früh die Bürgersteige hochklappt, verliert jedoch von diesem Charme. Zudem: Feiernde permanent ruhig zu halten, vermögen weder Wirte noch die Polizei zu leisten. Grölende Gruppen in engen Gassen oder lautstarke Diskussionen werden immer der unangenehme Teil einer lebendigen Innenstadt sein. Schließen die Kneipen, laufen die Gruppen oft feiernd weiter durch die Straßen. Wer in die Innenstadt ziehen möchte, sollte dies daher gut überdenken. Gleichzeitig sollten sich Kneipenbesucher immer vor Augen halten, dass um sie herum kein reines Vergnügungsviertel ist. Hier wohnen viele Menschen, die keine Zeit zum Feiern haben. Die ihren Schlaf brauchen. Rücksichtnahme und ein – rechtzeitiger – realistischer Blick auf die Wohnsituation könnten viele Probleme im Vorfeld ausmerzen.

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