Politik

Ansteckung Gesundheitsämter zum Teil offenbar unzureichend gegen Corona gerüstet / Start von Warn-App verzögert sich

Probleme bei der Nachverfolgung von Infektionen

Archivartikel

Berlin.Je mehr die Corona-Restriktionen gelockert werden, desto größer ist die Gefahr des Entstehens neuer Infektionsketten in der Bevölkerung. Bund und Länder haben sich deshalb auf verschiedene Maßnahmen verständigt. In der Praxis läuft aber noch nicht alles rund.

Ausgangslage: Ende März hatten Bund und Länder mehr Unterstützung für die Gesundheitsämter in Deutschland beschlossen, um Infektionsketten möglichst vollständig nachverfolgen zu können. Dazu ist auch die Einführung einer App geplant. Als Maßstab für das Infektionsgeschehen war zudem eine Art Notfallmechanismus eingeführt worden. Demnach sollen Landkreise und kreisfreie Städte mit mehr als 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern in den letzten sieben Tagen „sofort ein konsequentes Beschränkungskonzept“ umsetzen.

Lage bei den Gesundheitsämtern: Ihre Arbeit ist sehr aufwendig. Jeder Infizierte hat mehrere Kontaktpersonen, die von den Gesundheitsämtern möglichst ausnahmslos erfasst und kontaktiert werden sollen. Dafür sind die Ämter jedoch „nicht gut genug aufgestellt“, wie das Bundesgesundheitsministerium am Montag einräumte. Vorgesehen ist, dass es in den Ämtern je 20 000 Einwohner ein Kontaktnachverfolgungsteam mit fünf Mitarbeitern geben soll. Über den aktuellen Stand der Umsetzung dieser Vorgabe herrscht jedoch Unklarheit. Es gebe „keine belastbaren Daten“, hieß es dazu am Montag beim Robert-Koch-Institut (RKI). Seit dem 24. April sollen die Gesundheitsämter dem RKI melden, ob sie zu einer vollständigen Kontaktnachverfolgung in der Lage sind oder nicht. Nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ hatten jedoch bis Anfang Mai fast zwei Drittel der rund 400 Landkreise keine Meldung abgegeben. 158 hätten mitgeteilt, dass ihre Kapazitäten ausreichten.

Aktueller Stand bei der Warn-App: Eigentlich sollte sie schon längst in Betrieb sein. Nun heißt es regierungsintern, die App könne wahrscheinlich erst Mitte Juni zur Verfügung stehen. Die App soll mittels Bluetooth speichern, wenn sich jemand in der Nähe eines Infizierten aufgehalten hat.

Situation bei der Obergrenze: Die Konsequenzen aus einer Überschreitung der zulässigen Höchstzahl von Neuinfizierten werden in den Landkreisen unterschiedlich gehandhabt. So verschob man im nordrhein-westfälischen Kreis Coesfeld einen Teil der schon geplanten Lockerungsmaßnahmen für die gesamte Bevölkerung um eine Woche. Im thüringischen Landkreis Greiz dagegen, wo sich die Neuinfektionen auf mehrere Pflegeheime konzentrieren, sind bislang keine allgemeinen Einschränkungen geplant. Es gilt aber ein Besuchsverbot für die Pflegeheime.

Realität bei den Tests: Anfangs waren Tests eher Mangelware. Das hat sich geändert. Fast 965 000 Tests pro Woche könnten die Labore laut Berechnung des RKI durchführen. Das ist fast das Dreifache der tatsächlich ausgewerteten Tests. Ein Grund: Bislang wurde nur bei stärkeren Symptomen getestet. Laut RKI soll das nun bei leichten Atemwegsbeschwerden möglich sein.

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