Politik

Porträt AfD verdoppelt unter Björn Höcke Ergebnisse

Provokateur aus der rechten Ecke

Archivartikel

Erfurt.Er sei zum „Teufel der Nation“ gemacht worden, sagte Björn Höcke vor der Thüringen-Wahl in einer Talk-Runde im Fernsehen. Der 47-Jährige reagierte damit auf eine Bürgerin, die ihm zuvor mit besorgter Stimme ins Gesicht gesagt hatte: „Herr Höcke, ich habe Angst vor Ihnen.“ Der Thüringer AfD-Chef gilt als Provokateur, der in seiner Partei am rechten Rand steht. Höcke wollte seine Partei in Thüringen zur stärksten Kraft machen. Das gelang ihm am Ende nicht, obwohl die AfD ihr Ergebnis von vor fünf Jahren mehr als verdoppelte.

Immer wieder machte Höcke Schlagzeilen – mit Aussagen etwa zum Berliner Holocaustdenkmal oder zu Migranten. Anhänger empfangen ihn auf Veranstaltungen mit „Höcke“-Rufen, Gegner sehen in ihm einen Rechtsradikalen oder einen Faschisten.

Vierfacher Vater

Seine politische Karriere begann Höcke bei der AfD in Thüringen, deren Fraktionschef er 2014 wurde, als sie erstmals in den Landtag einzog. Ursprünglich kommt der vierfache Familienvater aus dem Westen: Geboren wurde Höcke in Nordrhein-Westfalen, wuchs im Westerwald in Rheinland-Pfalz auf und machte sein Abitur in Neuwied. Dass der Wessi Höcke im Wahlkampf den Ossi gab und die „Vollendung der Wende“ propagierte, empörte seine politischen Gegner.

Höcke wurde nach dem Studium Lehrer – für Sport und Geschichte. Er unterrichtete an einem Gymnasium im nördlichen Hessen, unweit zur Grenze zu Thüringen, wo er sich später mit seiner Familie ein Haus in Bornhagen im Eichsfeld kaufte.

Thüringen statt Berlin

Dort steht gleich neben seinem Grundstück ein Nachbau des Berliner Holocaust-Denkmals. Die Künstlergruppe „Zentrum für politische Schönheit“ (ZPS) hatte diesen in Sichtweite von Höckes Haus errichtet – als Protest gegen seine Dresdener Rede von 2017, als er unter anderem eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ forderte. Die Künstler vom ZPS nannten Höcke einen „Kunst-Terroristen“ – in der gleichen Sendung, in der ihm die Frau von ihrer Angst vor ihm erzählte.

Höcke verzichtete bislang auf eine Karriere in Berlin. 2017 entschied er sich gegen eine Kandidatur für den Bundestag und blieb in Thüringen. Er ist auch innerhalb seiner Partei umstritten. Einige warfen ihm in der Vergangenheit vor, einen Personenkult zu betreiben.

Zuletzt gab es immer wieder Spekulationen, der „Flügel“-Wortführer könnte für den Bundesvorstand der Partei beim Parteitag Ende November kandidieren. Höcke selbst sagte, dass diese Entscheidung erst nach der Wahl anstehe.

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